Seit 01:00: Nachtprogramm Credo, Wdh. - eine Wiederholung der gleichnamigen Sendung der Vorwoche

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Danach: Nachtprogramm Radio Vat. Nachrichten, Wdh. - eine Wiederholung der gleichnamigen Sendung vom Vortag
2017-11-18 02:15:00

Im Rosenkranzmonat Oktober möchte Ihnen Pfarrer Kocher hier auf unserer Webseite, in unseren Sozialen Netzwerken, sowie im Radio um 6.00 Uhr und am Abend um 19.00 Uhr, einige Gedanken zum Rosenkranz mitgeben.

Konkret geht es um Botschaften der Muttergottes in Fatima, Lourdes und an anderen Orten ihrer Erscheinungen, um Anleitungen für ein Beten des Rosenkranzes mit dem Herzen, um Wunder der Bewahrung – wie etwa beim Atombombenabwurf in Hiroshima – und der Heilung, Gedanken der Heiligen und der Päpste sowie biblische Impulse.

Lesen Sie hier täglich eine neue Meditation und lassen Sie sich darauf ein. Das Gebet wird Ihr Leben verändern.

Eine Meditation für jeden Oktobertag

Mehrfach ist schon betont worden, dass eine Familie, die den Rosenkranz miteinander betet, zusammenbleibt.

Nicht zu Unrecht sagt man, dass Gott der Dritte im Bund einer Ehe sein muss, wenn diese gelingen soll.Das gemeinsame Gebet ist wie eine Art Relais, welche die Kraft Gottes in eine Beziehung hineinvermittelt, diese stärkt und vor den Gefahren der Scheidung schützt.
Bei der katholischen Glaubensinformation in Wien ist folgendes interessantes Zeugnis enthalten: „Der Rosenkranz ist wirklich ein Wunder an Kraft und Gnade! Seit mein Gatte und ich den Rosenkranz beten, sind Nervosität und Streit verschwunden. Es ist seither wirklich Friede, Freude, ein Zusammenhalt und größere Liebe zwischen uns. Wir haben gelernt, unsere Sorgen um unsere Kinder in die Hände der Muttergottes zu legen.
Wir wissen jetzt: aus eigener Kraft können wir gar nichts, aber Jesus und die Muttergottes vermögen alles! Ich danke Gott, weil mein Gatte mit mir betet, obwohl er aus einer Familie kommt, die dem Glauben sehr ferne steht. Er ist als Erwachsener, vor unserer Hochzeit, in die katholische Kirche eingetreten, aus Liebe zu mir. Mit der Zeit ist auch bei ihm diese lebendige Verbindung mit Jesus und Maria gewachsen.“

Es wäre gut, wenn man im Anschluss an das Gebet mit freien Worten täglich darum bitten würde, dass Gott die Gnade des Ehesakramentes erneuern möge.

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Die Kirche feiert heute den Gedenktag des heiligen Antonius Maria Claret. Er lebte im 19. Jahrhundert und war der Gründer der Missionsgesellschaft der „Söhne des unbefleckten Herzens Mariens“ (Claretiner) und des „apostolischen Bildungsinstitutes von der unbefleckten Empfängnis“ (Claretinerinnen).

Sieben Jahre war er Erzbischof auf Kuba. Nach Madrid zurückgekehrt, wurde er Beichtvater von Königin Isabella II. Er nahm am ersten vatikanischen Konzil teil. Der Rosenkranz war für ihn eine meditative Zusammenfassung des Wortes Gottes. In der Weberei seiner Familie betete er mit den Arbeitern täglich alle drei Rosenkränze.
Diese Praxis behielt er sein Leben lang bei in seiner Tätigkeit als Pfarrer, Missionar und Erzbischof. In seinen Jahren als Beichtvater von Königin Isabella empfing er mehrere Offenbarungen über den Rosenkranz, in denen ihm die Muttergottes den Auftrag erteilt, diese Andachtsform zu verbreiten. Der Herr und die Muttergottes sagten ihm, er müsse „bei der Ausbreitung des Rosenkranzes der Dominikus unserer Zeit sein.“
In dem Bewusstsein, dass ihn der Herr und die Muttergottes aufriefen, ein zweiter heiliger Dominikus zu sein, und weil er in seiner Demut sah, wie weit er vom Ideal entfernt war, schrieb er: „Es ist von der Güte, dem Erbarmen und der Barmherzigkeit der heiligsten Maria zu erwarten, dass sie einen ihrer Verehrer und treuen Diener bewegt, die Menschen neu zu beleben, indem er ihnen predigt und sie lehrt, wie man den heiligsten Rosenkranz betet. Hier bin ich, sende mich. Wenn er sich meiner, des unwürdigsten seiner Söhne, bedienen will, biete ich mich ganz bereitwillig und freudig an, auch wenn ich dafür viele Mühen auf mich nehmen und den Tod erleiden muss.“
Mehrmals empfing er dann in den folgenden Jahren von der Muttergottes und vom Herrn denselben Wunsch, den Rosenkranz zu beten und zu verbreiten; dieser würde helfen, die materialistische Vorstellung vom Dasein die Geheimnisse Christi und Mariens neu zu erleben, in dem man die Geheimnisse „auf die eigenen Gewohnheiten anwendet.“
In dem Bewusstsein, der Dominikus der Neuzeit zu sein, bemühte er sich zu jeder Zeit, diese Andachtsform der ganzen Welt nachdrücklich zu empfehlen, und zwar sowohl durch Bücher und Flugblätter über den Rosenkranz als auch in seinen Predigten.

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Der Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz, der in Spanien im 16. Jahrhundert gelebt hat, ist wie kaum ein anderer Heiliger und Mystiker ein Lehrer des inneren Gebets. 

Im geistlichen Gesang (28, 3) schreibt er: „Wenn jemand etwas von jener tiefen Liebe zu Gott in sich trägt, die nach schweigender Zurückgezogenheit verlangt, dann würde man ihm und der Kirche großes Unheil zufügen, wenn er auch nur für einen Augenblick zur ‚Aktivität‘ und zu auch noch so bedeutsamen Beschäftigungen genötigt würde. Gott selber beschwört uns ja, die Seele nicht aus solcher Liebesbegegnung aufzustören (Hld 2,7). Wer kann dies dann ungestraft wagen? Schließlich sind wir doch für solche Liebe geschaffen worden! 
Das sollten die ach so ‚Aktiven‘ bedenken, die mit ihrem Gepredige und ihrem ganzen äußerlichen Gewerkel der Welt zu dienen meinen. Sie sollten daran denken, dass sie der Kirche vielmehr nützten und Gott vielmehr Freude bereiteten, wenn sie wenigstens einen geringen Teil der dafür verwendeten Zeit betend mit Gott verbringen würden, selbst wenn ihr Gebet noch so armselig wäre. Der Zuwachs an geistiger Kraft, den sie darin geschenkt bekämen, würde sie befähigen, mit einer einzigen Aktion mehr – und mit weniger Verausgabung ihrer Kräfte – zu bewirken als mit ihren tausend anderen. Was sie tun, heißt sich abplagen und doch so gut wie nichts, mitunter überhaupt nichts zustande zu bringen, wenn nicht gar Schaden zu machen. 
Gott bewahre uns davor, dass das Salz zu verderben beginnt. Was dann auch immer einer nach außen hin zu leisten scheint – auf den Kern geschaut, wird es nichts sein. Denn die guten Werke werden nicht anders als aus der Kraft, die einem von Gott kommt, getan. Oh, wieviel ließe sich darüber schreiben!“
 

Wenn wir dem spanischen Mystiker folgen, dann dürfte klar sein, dass das Gebet, auch das Rosenkranzgebet, die erste Stelle in unserem Leben einnehmen sollte, noch vor allen anderen Aktionen.

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Seit 1965 ist der 26. Oktober Nationalfeiertag in Österreich.

An diesem Tag hat der letzte russische Soldat österreichischen Boden verlassen, nachdem der Nationalrat das Bundesgesetz über die Neutralität des Landes verabschiedet hatte.

Mitten im Kalten Krieg und auf dessen Höhepunkt hatten russische Truppen erstmals ein Land, das sie erobert hatten, wieder freigegeben, und das, obwohl der damalige Außenminister Molotow im Präsidium des ZK der Sowjetunion den Standpunkt vertrat, dass man ein im Krieg erobertes Gebiet nicht mehr freigeben dürfe. Kein Russe würde das verstehen, denn es seien Zehntausende Rotarmisten bei der Eroberung Österreichs gefallen. Aus diesem Grund insistierte er bei Verhandlungen auf die Beibehaltung eines symbolischen Kontingents russischer Soldaten in Österreich.

Dass die Russen dennoch abzogen, unter Verzicht auf diese Forderung, führen viele auf das Gebet des Rosenkranz-Sühnekreuzzuges zurück, einer Bewegung, die Pater Petrus Pavlicek am 2. Februar 1947 gründete. Im Gebet vernahm Pater Petrus deutlich eine innere Stimme, die zu ihm sagte: „Tut, was ich euch sage, und ihr werdet Frieden haben.“ Die Zahl der Beter stieg beständig an: Im Mai 1955 überstieg sie eine halbe Million. Unter den Mitbetern war schon seit 1948 der beliebte Nachkriegsbundeskanzler Leopold Figl, etwas später kam auch der Bundeskanzler Julius Raab dazu.
Als im Jahr 1955 die unerwartete Zustimmung der Russen zum Staatsvertrag kam, sahen viele dies als eine Erfüllung ihrer Bitten an die Gottesmutter. Der damalige Bundeskanzler Raab sagte: „Wenn nicht so viel gebetet worden wäre, so viele Hände in Österreich sich zum Gebet gefaltet hätten, so hätten wir es wohl nicht geschafft.“

Der Rosenkranz-Sühnekreuzzug ist heute in 132 Ländern vertreten mit etwa 700.000 Mitgliedern. Er heißt heute offiziell: „Rosenkranz-Sühnekreuzzug um den Frieden in der Welt – Gebetsgemeinschaft für Kirche und Welt“.

Es wäre es auch eine Überlegung wert, dem Rosenkranz-Sühnekreuzzug beizutreten und sich zu verpflichten, täglich den Rosenkranz für den Frieden der Welt zu beten. Beim Hörerservice erhalten Sie die Kontaktdaten dazu.

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In Nevers ruht der Leib der heiligen Bernadette Soubirous, der Seherin von Lourdes. Man fand ihn völlig unverwest im Grab, obwohl das Brustkreuz korrodiert war und auch sonst sehr ungünstige Bedingungen gegeben waren. Die inneren Organe waren noch ganz frisch. Ausgrabungen in der Umgebung zeigten, dass dort alle anderen Leichen vollkommen verwesten. 
 

Im Jahr 1858 darf Bernadette insgesamt 18 Mal in der Grotte von Massabielle die Gottesmutter sehen. Bei der Hälfte der Erscheinungen sagt die Muttergottes nichts, sie betet mit Bernadette nur den Rosenkranz. Deshalb kann man sagen, dass der Rosenkranz die Botschaft von Lourdes schlechthin ist. Bei Bernadette wird deutlich, dass das Gebet des Rosenkranzes das Gebet der armen und einfachen Menschen ist. Sie betete ständig ihren Rosenkranz, als kleines Mädchen in der Mühle, wo sie zu Hause war, als Hirtin in Bartrès, als Vertraute der Dame in der Grotte von Massabielle, als Schülerin im Hospiz von Lourdes, als Postulantin, Novizin und Schwester in Saint-Gildard, auf dem Sterbebett unter schrecklichen Qualen und der noch schlimmeren inneren Verlassenheit von Gott. Der Rosenkranz war für Bernadette Soubirous wirklich der Weg ihrer Frömmigkeit, ihrer Gnade, ihrer Sendung, ihrer persönlichen Heiligkeit und ihres Apostolates. Papst Pius XII. schreibt in seiner Enzyklika „Die Wallfahrt nach Lourdes“: „Glückselig war Bernadette, als sie vor der Grotte die Perlen ihres Rosenkranzes durch die Finger laufen ließ und an den Lippen und am Antlitz der heiligen Jungfrau sah, wie der Vater, der Sohn und der Heilige Geist zu verherrlichen seien.“ 
Bei der zwölften Erscheinung am 1. März zeigte ein kleines Detail, wie die Dame in der Grotte jede noch so geringfügige Unredlichkeit, ja den bloßen Schatten von Oberflächlichkeit und noch viel mehr alles, was nach Geschäftemachen aussieht, aus den Gesprächen mit dem erwählten Kind fernhalten will. Eine fromme Frau aus Lourdes hatte Bernadette ihren Rosenkranz übergeben in der Hoffnung, sie würde diesen in der Ekstase beten. Die Muttergottes machte Bernadette darauf aufmerksam, dass sie nicht ihren Rosenkranz in der Hand hat und sie holte ihren aus der Tasche hervor. 

Einzig und allein mit der armen und demütigen Bernadette will die Muttergottes zu tun haben, mit ihr und allem, was zu ihrer Person gehört, mit ihrem armseligen und billigen Rosenkranz, der ihr vertraut ist und von dem sie sich niemals trennt.

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In einer Diskussion sagte jemand: „Soll die Welt doch vor die Hunde gehen und der Teufel sie holen! Sie hat nichts anderes verdient.“ 

So seltsam diese Meinung zunächst klingen mag, sie ist nicht ganz unberechtigt. Wir leben in einer Zeit, in der die Unsittlichkeit immer mehr um sich greift. 
Nicht einmal die Kirche ist davor gefeit, wie die vielen Missbrauchsskandale der letzten Jahre gezeigt haben. Hemmungslose Gier hat die Aktienmärkte durcheinandergewirbelt und an den Rand des Abgrunds gebracht.  

Auch das soziale Miteinander ist davon betroffen: „Geiz ist geil“, hieß es lange Zeit. Durch die ökologische Zerstörung der Schöpfung werden jeden Tag viele Arten irreversibel vernichtet. Wertvolle Regenwälder, die für das Gleichgewicht des Klimas wichtig sind, werden abgeholzt; sodann noch die schreiende Ungerechtigkeit zwischen den Völkern und die ungerechte Verteilung der Güter dieser Welt. 
Hinsichtlich der religiösen Gleichgültigkeit ist kein Ende der Talfahrt abzusehen. Ja, die Welt soll zugrunde gehen oder sich das Gericht zuziehen! Diese Haltung ist zudem nicht ganz unbiblisch. Der Prophet Jona ist verärgert, weil Gott das Strafgericht an Ninive, dem Inbegriff an Macht und Überheblichkeit, nicht vollzieht. Die Donnersöhne Jakobus und Johannes wollen auf die ungastlichen Samariter, die sie abweisen, Feuer vom Himmel herunterfallen lassen (vgl. Lk 9,54). Ist es nicht auch der Wunsch vieler, dass der Herr endlich zum Gericht wiederkommt und den Laden einmal richtig aufräumt? So eine Art Tempelreinigung im großen Stil. 

Bei Mose, dem Anführer des Volkes im alten Bund, hätte dieser Wunsch Wirklichkeit werden können. Die Zeit der Wüstenwanderung ist geprägt von fast ununterbrochener Unzufriedenheit und Aufbegehren. Nur einmal wird ein Danklied angestimmt, am Schilfmeer, als die Streitmacht des Pharaos vernichtet wird. Der Rest ist fast nur Murren  und Meuterei. Mehrmals wird Mose die Steinigung angedroht, und er muss ungerechte Vorwürfe anhören. Gott selbst schlägt ihm vor, sein Volk zu vernichten, ihn aber zum Stammvater eines großen Volkes zu machen. Mose könnte ein zweiter Abraham, ein neuer Stammvater werden. Er lehnt dieses verlockende Angebot ab und erklärt sich solidarisch mit dem sündigen Volk. Wie Abraham einst für Sodom und Gomorra eingetreten ist, wird er zum großen Fürbitter und erinnert Gott an seinen Bund und an seine Heilszusagen; er springt für das Volk in die Bresche. 
Seine Haltung ist weit entfernt von denen, die einer falschen Apokalyptik aufsitzen und der Welt den Untergang wünschen. Innerste Motivation unseres Gebetes, gerade auch des Rosenkranzgebets, muss sein, für diese Welt einzutreten und das Heil aller Menschen zu wünschen. Wir sollen Zeugen seiner Liebe sein. Madeleine Delbrel hat einmal gesagt: „Die Welt wäre vielleicht schon längst zugrunde gegangen in der allgemeinen Hoffnungslosigkeit und Resignation, wenn Gott nicht zehn Leute gefunden hätte, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben.“ 

In dieser inneren Gesinnung beten wir heute am Festtag der Apostel Simon und Judas den Rosenkranz. Letzterer wird als Patron in aussichtslosen Fällen angerufen. Vergessen wir nicht, dass für Gott nichts unmöglich ist.

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Dr. Reinhold Stecher, der frühere Bischof von Innsbruck, hat mit dem Rosenkranz interessante Erfahrungen gemacht, die er so beschreibt: „Der Rosenkranz ist ein unscheinbares Gebet. Darum muss man ihn entdecken. 

Oberflächlich betrachtet oder mechanisch gebetet könnte er wie eine Leier wirken, wie eine Art Gebetsmühle, die man andreht und laufen lässt, ohne sich etwas dabei zu denken. Dass er das nicht ist, entdeckt man am besten in der Stille und in der Einsamkeit. 
Ich habe den Rosenkranz als Neunzehnjähriger entdeckt, als ich viele Wochen in der Isolationshaft der geheimen Staatspolizei war, ohne Buch, ohne Besuch, ohne Kontakt, nur konfrontiert mit den gefürchteten Verhören, der unendlich langsam rinnenden Zeit und Ungewissheit des Schicksals. 
Und dort bin ich auf den Zehnfinger-Rosenkranz gekommen, wie er leise durch die stillen Stunden gewandert ist und eine grausige Zelle mit einem winzigen Stück vergitterten Himmels in einen Ort tiefen Friedens verwandelt hat. Vielleicht war diese Entdeckung der Dank der Muttergottes. Darum möchte ich alle jene ermutigen, diese Freundschaft mit dem Rosenkranz zu entdecken: In einer entlastenden Stunde, in einer schweigenden Kirche, an einem sonnigen Platz in der Höhe oder in der Gelöstheit eines Besinnungstages. Das Sich-Einlassen auf diese schlichte Form wiederholenden Betens kann so etwas sein wie ein Stück heilige Therapie. Alle großen Religionen der Erde kennen solche Weisen der Frömmigkeit. Aber der Rosenkranz ist nicht nur ein frommes Beruhigungsmittel der Seele, er ist noch mehr. Er lässt in einfachen Bildern die großen Inhalte des Glaubens vorüberziehen. 
Und so wird die winzige Perlenschnur zum Lasso, das die gewaltigen Geheimnisse des Heils einfängt.“ 

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Auch heute hören wir wieder Gedanken des früheren Bischofs von Innsbruck, Dr. Reinhold Stecher:

„Der Rosenkranz ist ein geduldiges Gebet. Es ist an ihm etwas vom unverdrossenen Rauschen des Baches. Er erinnert an die Wellen, die am Strand des Meeres ausrollen, eine nach der anderen, in unermüdlichem Rhythmus, die wie eine einzige Demonstration der Beharrlichkeit wirken.

Beim Rosenkranz ist das Beten nicht nur ein jäher Aufschrei, ein vorübergehender Anfall, ein huschender Gedanke, ein schneller Telefonanruf beim lieben Gott. Im Rosenkranz steckt etwas vom ruhigen Schlag der alten Standuhr. Und so ist er eine Art Kontraprodukt gegenüber dem sprunghaft-unruhigen, nervös-unkonzentrierten Augenblicksmenschen von heute, der wir ja alle sind. Der Rosenkranz verträgt übrigens das Abschweifen. Das ist inbegriffen. Und er holt sanft zurück. Er ist eben ein geduldiges Gebet. Er ist sozusagen eine Art ‚Fahrrad‘ der Frömmigkeit. Er verlangt ein geduldiges, rhythmisches Treten, nicht ganz mühelos, aber er bringt nach oben.

Der Rosenkranz ist ein bergendes Gebet.

Auch wenn man ihn in der Einsamkeit betet, ist man nicht allein. Da ist der Engel, der den Gruß spricht, da ist die horchende und gehorsame Muttergottes, und in der Schlussbitte des Gegrüßt-Seist-Du-Maria rauscht der ganze Chor der sündigen, hilfesuchenden Menschheit auf. Vor allem aber – dieses Gebet hat eine Mitte, in der alles gipfelt und ruht: Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes – Jesus! Mit diesem Wort erhält jede Woge des Gebetes immer wieder ihre blitzende Schaumkrone…

Dieses Verweilen-Dürfen beim Herrn der Welt – das ist etwas Wunderbares. Der Rosenkranz ist wirklich ein bergendes Gebet. Mit seinen 59 Holzperlen ist er wie ein Kugellager, auf dem das unruhige Herz sanft dem ewigen Erbarmen zurollt…

Der Rosenkranz ist keineswegs ein altertümlicher barocker Brauchtumsschnörkel der Volksfrömmigkeit.
Für den, der ihn entdeckt hat, ist er ein höchst modernes Gebet, eine Weise der Gottesbegegnung für heute und morgen.“

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Liebe Zuhörer unseres Radios, ich lese Ihnen einige Sätze aus einer Auslegung zum Magnifikat, dem Lobgesang der Gottesmutter Maria, vor. Sie sollen sich Gedanken machen, von wem diese stammen könnten: „Die Menschwerdung des Sohnes Gottes ist das große Hauptwerk aller Werke Gottes. Sie erfolgt durch die reine Jungfrau Maria, durch den Heiligen Geist ohne Zutun eines Mannes. Die Gottesmutterschaft der Jungfrau Maria ist so der Grund, dass sie innerhalb des ganzen Menschengeschlechts eine einzigartige Person ist über alles. Sie ist ohne Sünden und hat einen hohen, lieblichen Geist. Sie besitzt ein einfältiges, reines Herz, das ihr zu Eigen ist, ein wunderbares, das fest und gleichsteht zu aller Zeit. Maria sieht sich als Muttergottes über alle Menschen hinausgehoben und bleibt dennoch demütig und gelassen. Sie will nicht mehr sein als eine fröhliche Herberge Gottes.“

Diese Sätze stammen von Martin Luther, der für Maria eine große Hochachtung empfand. Die evangelische Kirche feiert heute das Reformationsfest. Gerade der Rosenkranz gilt als Ausdruck einer besonders katholischen Frömmigkeit und stößt in evangelischen Gemeinden eher auf Unverständnis. Trotzdem ist es nicht so einfach mit der konfessionellen Zuordnung. Als Mönch des Augustinerordens musste Martin Luther, wie vorgeschrieben, die Rosenkranzgebete verrichten. Trotz aller möglichen Einwände blieb Martin Luther das Rosenkranzgebet immer vertraut. Die Rose, das Symbol für Maria, übernahm er sogar für sein persönliches Wappen.

Vielleicht kann der Rosenkranz also auch für das das Miteinander der Konfessionen eine gewisse Bedeutung erlangen.

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