Jetzt: Angelus, Pfr. Klaus Klein-Schmeink
Angelus, Pfr. Klaus Klein-Schmeink

Der Heilige Petrus Kanisius

Predigten von Pfarrer Richard Kocher

In zwei Predigten geht Pfarrer Dr. Richard Kocher auf einen Vortrag von Kardinal Walter Kasper aus dem Jahr 2021 ein, "Mit Petrus Canisius zwischen den Zeiten". Das Thema der ersten Predigt ist: Heiligkeit und Evangelisation in der Mitte der Kirche. Teil zwei steht unter dem Titel: Das Evangelium für eine künftige Generation. Eine Synodale Gestalt der Kirche.

Den ganzen Vortrag von Kardinal Walter Kasper können Sie hier nachlesen

Patron unserer Studiokapelle und "zweiter Apostel der Deutschen"

Der Heilige Petrus Kanisius (1521-1597) gilt nach dem Heiligen Bonifatius als der "zweite Apostel Deutschlands". Er war treibende Kraft der Neuevangelisierung nach der Reformation in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Es lag deshalb nahe, ihn als Patron unserer Studiokapelle im Medienhaus von radio horeb in Balderschwang zu wählen. Eine Reliquie des Heiligen wurde bei der Weihe der Studiokapelle in den Altar eingesenkt.

Petrus Kanisius und radio horeb

Der Programmdirektor von radio horeb, Pfarrer Dr. Richard Kocher, hat vier Aspekte beleuchtet, in denen der Heilige Petrus Kanisius Vorbild für die Arbeit von radio horeb ist (Zitate stammen aus dem Buch "Zwölf Reformer" von Gisbert Kranz):

Kanisius schrieb dem Kaiser: "Es ist nicht zu leugnen, dass man bei uns in Deutschland von der römischen Kirche nichts wissen will… Wenn wir aber katholisch bleiben wollen, müssen wir ausdrücklich bekennen und durch die Tat beweisen, dass wir uns des Papstes und jener Kirche nicht schämen, welche die Mutter und Lehrerin aller Kirchen ist. Sämtliche Spaltungen, sämtliche Irrlehren in der Kirche sind daher gekommen, dass man sich den Weisungen des Papstes nicht fügte."

Petrus Kanisius brachte viele kleine Schriften in deutscher Sprache heraus. Bekannt wurde er aber durch seine Katechismen, die er in drei Fassungen für ein jeweils anderes Publikum herausgab. Der "Mittlere Katechismus" fand die meiste Verbreitung. Er wurde mehrere hundert Male aufgelegt und war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch in Gebrauch. Dem Ordensgeneral schrieb Kanisius den berühmten Satz: "Ein Schriftsteller ist in Deutschland wertvoller als zehn Professoren." Er wollte sogar eine Schule für Schriftsteller bei den Jesuiten gründen.

Rasch erkannte Kanisius, dass es mit Katechesen und Predigten allein nicht getan war. Es brauchte Nachhaltigkeit, besonders in der Bildung der studierenden Jugend. Er widmete sich dieser Aufgabe zunächst als Professor und später als Rektor der Universität in Ingolstadt. Diese Hochschule wurde von ihm organisatorisch und geistig erneuert. In Wien, Prag, Innsbruck, Dillingen, Köln und Freiburg im Breisgau tat er das Gleiche. Zudem wurden von ihm viele Konvikte, Kollegien und Knabenseminare gegründet. Auch an der Einrichtung des "Collegium Germanicum" in Rom im Jahr 1552, aus dem mehrere Jahrhunderte lang die führenden Kleriker Deutschlands hervorgingen, war er beteiligt. Er war der Überzeugung, dass sich die Zustände in Deutschland so entwickelt hätten, dass führende Persönlichkeiten der deutschen Kirche außerhalb des Landes ausgebildet werden müssten.

Die Veröffentlichungen von Kanisius hoben sich in angenehmer Weise von schmähsüchtigen anderen seiner Zeit ab. Einem polemischen Professor teilte er mit: "In Ihren Schriften sollte vieles milder ausgedrückt werden, besonders wo Sie mit den Namen Calvins, Melanchthons und anderer ein unbilliges Spiel treiben. In solchen Redeblüten zu schwelgen, ist das Privileg der Demagogen, aber nicht die Art eines Theologen. Beherzt, würdevoll und nüchtern muss man die Wahrheit verteidigen. Die Deutschen sind der bisherigen Zänkerei überdrüssig. Was alle wünschen und preisen, ist Bescheidenheit, mit Würde und belangvoller Beweisführung gepaart." Das hinderte ihn aber nicht, in seinen Predigten und Veröffentlichungen Klartext zu reden: "Zuckerprediger, die immer nur von der Barmherzigkeit Gottes reden, nie aber von seinem Gericht", lehnte er entschieden ab: "Diese Prediger können meisterhaft schmeicheln, sie haben lauter lindes Öl, aber keinen scharfen Wein für die Seelen." Missstände beim Klerus und den Bischöfen sprach er mutig an. Dem Bischof von Würzburg schrieb er 1567: "In Glaubenssachen den Sektierern nachzugehen, geht nicht an. Kompromisse beschleunigen nur den Untergang der Religion. Bischöfe haben Angst, sie könnten eine Abfuhr erleiden, wenn sie auch nur eine Kleinigkeit im Zuge der Reform verlangen. Sie werden durch eine erbärmliche Lage eingeschüchtert. Sie fürchten immer neue Unruhen. Einer wartet auf den anderen, der als erster das Glatteis betreten soll. Und sie lassen alles laufen, wie es läuft, diese Oberpolitiker." An anderer Stelle nannte er sie "Ärzte ohne Geschick, die vielen und schrecklichen Krankheiten dieses Zeitalters zu behandeln, oder wie unachtsame und nachlässige Seeleute inmitten eines gewaltigen Sturmes".

Die Ausdauer war das Markenzeichen von Petrus Kanisius. Er hat unvorstellbare Strapazen und Einsätze auf sich genommen. Sein größter Erfolg bestand nicht nur darin, dass er die Konfessionskarte Europas beträchtlich verändert hat, sondern in der nachhaltigen Erneuerung des Glaubens der katholischen Bevölkerung. Dies muss auch das Ziel in unserer Zeit sein. Bei radio horeb setzen wir uns dafür mit ganzer Kraft ein.

Allmächtiger, ewiger Gott, Herr, himmlischer Vater!
Sieh an mit den Augen Deiner grundlosen Barmherzigkeit unsern Jammer und unsere Not. Erbarme Dich über alle Christgläubigen, für welche Dein eingeborener Sohn, unser lieber Herr und Heiland, Jesus Christus, in die Hände der Sünder freiwillig gekommen ist, und Sein kostbares Blut am Stamme des heiligen Kreuzes vergossen hat.

Durch diesen Herrn Jesus wende ab, gnädigster Vater, die wohlverdienten Strafen, gegenwärtige und zukünftige Gefahren, schädliche Empörungen, Kriegsrüstungen, Teuerung, Krankheiten, betrübte, armselige Zeiten. Erleuchte auch und stärke in allem Guten geistliche und weltliche Vorsteher und Regenten, damit sie alles befördern, was zu Deiner göttlichen Ehre, zu unserm Heile, zum allgemeinen Frieden, zur Wohlfahrt der ganzen Christenheit gedeihen mag. Verleihe uns, o Gott des Friedens, eine rechte Vereinigung im Glauben, ohne alle Spaltung und Trennung; bekehre unsere Herzen zur wahren Buße und Besserung unseres Lebens; zünde an in uns das Feuer Deiner Liebe; gib uns einen Hunger und Eifer zu aller Gerechtigkeit, damit wir als gehorsame Kinder im Leben und Sterben Dir angenehm und wohlgefällig seien.

Wir bitten auch, wie Du willst, o Gott, daß wir bitten sollen, für unsere Freunde und Feinde, für Gesunde und Kranke, für alle betrübten und elenden Christen, für Lebende und Verstorbene. Dir, o Herr, sei empfohlen all unser Tun und Lassen, unser Handel und Wandel, unser Leben und Sterben. Laß uns Deine Gnade hier genießen und dort mit allen Auserwählten erlangen, daß wir in ewiger Freude und Seligkeit Dich loben, ehren und preisen mögen!

Das verleihe uns, o Herr, himmlischer Vater! Durch Jesus Christus, Deinen lieben Sohn, welcher mit Dir und dem Heiligen Geiste als gleicher Gott lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Papst Benedikt XVI. über den Heiligen Petrus Kanisius

Papst Benedikt XVI. sprach bei der Generalaudienz am 9. Februar 2011 über den heiligen Petrus Kanisius. In deutscher Sprache sagte der Papst:

"Liebe Brüder und Schwestern!
Heute möchte ich über den heiligen Petrus Kanisius sprechen, der auch zweiter Apostel Deutschlands genannt wird. Er wurde am 8. Mai 1521 in Nijmwegen, in den heutigen Niederlanden, geboren. Während seines Studiums an der Kölner Universität stand er mit mehreren tiefgläubigen Menschen der sogenannten devotio moderna in engem Kontakt. Nach geistlichen Exerzitien unter der Führung des seligen Peter Faber, einem der ersten Gefährten des heiligen Ignatius von Loyola, trat er in den Jesuitenorden ein.

Karriere als Theologe und Werdegang als Prediger

Im Alter von 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht und nahm bereits ein Jahr später als Theologe des Augsburger Bischofs am Konzil von Trient teil. In Bologna wurde er zum Doktor der Theologie promoviert und kehrte mit dem Segen Papst Pauls III. nach Deutschland zurück. Als er noch in Rom an den Gräbern der Apostel betete, hat er in einer Vision das geöffnete Herz Jesu gesehen, und der Herr versprach ihm für seine Aufgabe ein geistliches Gewand, das aus drei Teilen gewoben war: aus innerem Frieden, Liebe und Ausdauer. Mit diesen drei Kräften hat er versucht, die Kirche in Deutschland zu erneuern.

Petrus Kanisius ging zunächst als Professor nach Ingolstadt - die Vorgängeruniversität der Universität München - und wirkte dann im Zuge der katholischen Erneuerung als Lehrer und Prediger in Dillingen, Innsbruck, Wien, Prag und Fribourg in der Schweiz, wo er jeweils Jesuitenkollegien gründete.

"Erneuerer der Katechese"

Große Beachtung verdient sein schriftstellerisches Werk. Er hat drei Ausgaben des Katechismus geschaffen - für Kinder, Schüler und Studenten - und in klarer und ganz unpolemischer, von der Schrift und den Vätern her inspirierter Weise Fragen und Antworten formuliert, in denen das Ganze des Glaubens zum Vorschein kommt, und er hat damit Generationen im Glauben geprägt. Noch zu seinen Lebzeiten sind 200 Auflagen seines Katechismus erschienen, bis zum 19. Jahrhundert wurden weitere Hunderte von Auflagen gedruckt. So ist er wirklich der Erneuerer der Katechese und damit des Glaubensbewusstseins in der Kirche in Deutschland geworden.

Im Alter von 76 Jahren starb er in Fribourg nach einem überaus erfüllten Leben. Papst Pius XI. hat ihn dann 1925 zum Kirchenlehrer erklärt."

Petrus Kanisius - Mensch, Reformer und Heiliger

In einer dreiteiligen Reihe in unserem Schwerpunkt Spiritualität hat sich die Franziskanerin Petra Maria Grünert OSF mit dem Heiligen Petrus Kanisius beschäftigt: Sie betrachtet ihn in seinen Rollen als Mensch, Reformer und Heiliger.

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