Jetzt: eine Wiederholung der gleichnamigen Sendung vom Vortag
eine Wiederholung der gleichnamigen Sendung vom Vortag

Warum lässt Gott Leid zu?

Liebe Hörer,

wir leben in einer gefallenen Schöpfung, zu der das Leid gehört. Für viele Menschen ist das die Anfrage schlechthin: Wenn Gott allmächtig und die Liebe ist, warum muss ich dann leiden? Diese Fragen haben eine "heilsbedrohliche Spitze" (so nachzulesen in der pastoralen Einführung zur Feier der Krankensakramente). Wenn die Menschen hier nicht entsprechende Antworten auf ihre Fragen finden, wenden sie sich in der Regel rasch von Gott ab, denn der Fels des Atheismus ist nach G. Büchner das Leid. Wir werden bei radio horeb ständig mit dieser Frage konfrontiert, deshalb habe ich für Sie Beiträge zusammen stellen lassen, die Ihnen helfen können, Antworten auf Ihre Fragen zu finden.

Berichte über das Leid

Der Traum eines Kardinals

Nikolaus Kardinal von Cues (1401-1464), Bischof von Brixen, war nicht nur ein großer Kirchenpolitiker, angesehener päpstlicher Legat und Reformer des geistlichen Lebens von Klerus und Volk im 15. Jh., sondern auch ein Mann der Stille und der Kontemplation. Sehr eindrücklich wurde ihm in einem Traum eine geistige Wirklichkeit gezeigt, aus der die Priester und wir alle bis heute leben: die Macht der Hingabe, des Gebetes und Opfers geistiger Mütter in der Verborgenheit von Klöstern. ...

Aufopfernde Hände und Herzen

Sie kamen in eine kleine, uralte Kirche hinein, die mit Mosaiken und Fresken der früheren Zeit geschmückt war, und jetzt bot sich dem Kardinal ein wahrhaft ungeheurer Anblick. Tausend und mehr Nonnen beteten in der kleinen Kirche. Sie waren so schmal, so sehr in sich gekehrt, dass jede für sich Platz fand, auch wenn sie als Gemeinschaft sehr eng zusammengedrängt waren. Die Schwestern beteten, aber der Kardinal hatte noch nie so beten sehen. Sie knieten nicht, sondern standen hoch aufgerichtet, den Blick nicht so sehr in die Ferne als in eine für ihn unerkennbare nächste Nähe gerichtet. Die Arme hatten sie weit ausgebreitet, die Handflächen nach oben, aber nicht zum Empfangen, sondern zum Darbieten.

Denn das war das Ungeheuerliche: sie trugen in ihren armen und schmalen Händen Männer und Frauen, Kaiser und Könige, Städte und Länder. Manchmal schlossen sich etliche Händepaare um eine Stadt zusammen; oder ein Land - an seinen Fahnen erkennbar - ruhte auf einer ganzen Mauer stützender Arme, und selbst da noch war um jede einzelne Betende ein Raum von Stille und Abgeschlossenheit. Mit den meisten Schwestern aber war es so, dass sie mit ihren einsamen und zarten Händen Menschenbrüder und Menschenschwestern trugen.

Nikolaus sah in den Händen einer jungen, zierlichen, fast kindlichen Nonne den Papst. Man sah, wie schwer sie an ihrer Last trug, aber ihr Gesicht war vom Glanz der Freude überstrahlt. Auf den Händen einer der älteren Schwestern ruhte er selbst, Nikolaus von Cues, Bischof von Brixen, Kardinal der römischen Kirche. Er sah sich mit den Runzeln seines Alters, er sah die Makel seiner Seele und seines Lebens mit aller Deutlichkeit. Er sah das mit großen, erschrockenen Augen, aber in seinen Schrecken mischte sich bald eine unsagbare Seligkeit.

Seine Führerin, die neben ihm stand, flüsterte ihm zu: „Da seht Ihr nun, wie die Sünder gehalten und getragen werden, die trotz ihrer Sünden nicht aufgehört haben, Gott zu lieben.“ „Was ist aber mit denen, die nicht mehr lieben?“, fragte er. Da war er auf einmal mit der Führerin in der Krypta der Kir- 13 che, wo abermals tausend und mehr beteten; aber wenn jene ersteren die ihnen Anvertrauten mit ihren Händen trugen, so taten diese hier in der Krypta es mit ihren Herzen. Um sie war tiefer, heiliger Ernst, denn es ging um das ewige Schicksal unsterblicher Seelen.

„Seht Ihr, Kardinal“, sagte die Führerin, „so werden auch die noch gehalten, die aufgehört haben zu lieben. Zuweilen geschieht es, dass sie wieder warm werden an der Glut der Herzen, die sich für sie verzehren; zuweilen, aber nicht immer. Manchmal - eben in der Stunde ihres Todes - werden sie aus diesen immer noch rettenden Händen in die Hände des göttlichen Richters genommen und müssen dann auch das Opfer verantworten, das für sie dargebracht worden ist. Kein Opfer bleibt ohne Frucht. Aber wer die ihm zugewendete Frucht nicht pflückt, dem reift die Frucht des Verderbens.“

Der Kardinal blickte wie gebannt auf die sich opfernden Frauen. Er hatte immer gewusst, dass es sie gab. Aber es war ihm nie so offenbar geworden wie jetzt, was sie für die Kirche und für die Welt, für die Völker und jeden Einzelnen bedeuten; jetzt ging es ihm erschreckend auf. Er beugte sich tief vor diesen Märtyrerinnen der Liebe.

Geburtstag und Bekehrungstag

„Wie alt sind Sie?“, wollte Ketteler wissen. „Dreiunddreißig Jahre, Bischöfliche Gnaden“, war die Antwort. Der Bischof hielt einen Augenblick betroffen inne. Dann sagte er: „Wann sind Sie geboren?“ Die Schwester nannte den Tag. Da entfuhr dem Bischof ein Ausruf. Ihr Geburtstag war sein Bekehrungstag! An jenem Tag hatte er sie genau so vor sich gesehen, wie sie jetzt vor ihm stand. „Und wissen Sie gar nicht, ob Ihr Gebet und Opfer Erfolg gehabt haben?“, fragte er weiter. „Nein, Bischöfliche Gnaden.“ „Und wünschen Sie es nicht zu wissen?“ „Der liebe Gott weiß, wenn etwas Gutes geschieht, und das ist genug“, war die einfache Antwort. Der Bischof war erschüttert. „So fahren Sie in Gottes Namen mit diesem Werk fort“, sagte er.

Die Schwester aber kniete bereits zu seinen Füßen und erbat seinen Segen. Der Bischof erhob feierlich seine Hände und sprach mit tiefer Bewegung und Ergriffenheit: „So segne ich Sie in der Kraft und Gewalt, die ein Bischof zum Segnen hat. Ich segne Ihre Seele, ich segne Ihre Hände und deren Arbeit, ich segne Ihr Beten und Opfern, Ihr Überwinden und Gehorchen. Ich segne Sie ganz besonders für die letzte Stunde und bitte Gott, dass Er Ihnen mit all Seinem Trost beistehe.“ - „Amen“, antwortete die Schwester ruhig, erhob sich und ging.

Eine Lehre für das ganze Leben

Der Kirchenfürst aber trat, im Innersten erschüttert, ans Fenster und blickte, nach Fassung ringend, hinaus. Etwas später verabschiedete er sich von der Oberin und kehrte in die Wohnung seines bischöflichen Freundes zurück. Diesem vertraute er an: „Nun ist jene gefunden, der ich meine Berufung verdanke. Es ist die letzte und ärmste Laienschwester des Klosters. Ich kann Gott nicht genug für Seine Barmherzigkeit danken. Denn die Schwester betet seit fast 20 Jahren für mich. Gott aber hat schon im Voraus ihr Gebet angenommen und an dem Tag, an dem sie das Licht der Welt erblickte, bereits meine Bekehrung bewirkt, im Vorauswissen ihrer fürbittenden Werke und Gebete. Welch eine Lehre und Mahnung für mich!“, fügte er bei. „Wenn ich je in Versuchung kommen sollte, wegen gewisser Erfolge und wegen meines Wirkens vor den Menschen eitel zu werden, dann muss ich mir um der Wahrheit willen stets vor Augen halten: Das verdankst du dem Gebet und dem Opfer einer armen Magd im Klosterstall. Und wenn mir eine kleine und geringe Arbeit wenig wertvoll erscheinen möchte, dann sagt mir dieselbe Tatsache: Das, was diese Magd im demütigen Gehorsam Gott gegenüber und in Selbstüberwindung tut und opfert, ist vor Gott dem Herrn so viel wert, dass diese Verdienste der Kirche einen Bischof erweckt haben.“

Heilige Theresia von Lisieux

Theresia war erst 14 Jahre alt, als sie während einer Wallfahrt nach Rom die Berufung zur geistigen Mutterschaft für die Priester verstand. In ihrer Autobiographie schrieb sie, wie sie erkannte, nachdem sie in Italien viele Priester kennengelernt hatte, dass diese trotz ihrer erhabenen Berufung schwache und gebrechliche Menschen blieben: „Wenn also heilige Priester ... zeigen, dass sie des Gebetes bedürfen, was soll man dann von jenen denken, die lau sind?“ In einem ihrer Briefe ermunterte sie Céline: „Leben wir für die Seelen, seien wir Apostel, retten wir vor allem Priesterseelen ... Beten wir, leiden wir für sie, und am Jüngsten Tag wird uns Jesus dankbar sein“(Brief 94, vom 14. Juli 1889).

Im Leben der Kirchenlehrerin Theresia gibt es eine rührende Geschichte, welche ihren Eifer für die Seelen, besonders für die Missionare unterstreicht. Sie war schon sehr krank und konnte nur mehr mit Mühe gehen. So verschrieb ihr der Arzt, jeden Tag eine Viertelstunde im Garten zu spazieren. Eines Tages wandte sich eine Mitschwester, die Theresia begleitete und sah, wie viele Schmerzen dieses Gehen verursachte, an sie: „Aber Sr. Theresia, warum nehmen Sie all diese Mühe auf sich, wenn es Ihnen doch eigentlich mehr Schmerzen als Linderung verursacht?“ Und die Heilige antwortete: - „Es ist wahr, aber wissen Sie, was mir Kraft gibt? ... Nun, ich mache diese Schritte für einen Missionar. Ich denke, dass einer von ihnen weit draußen vielleicht von seinen Seelsorgegängen erschöpft ist, und um seine Müdigkeit zu verringern, opfere ich Gott die meinige auf.“

Gott zeigte, dass er den Wunsch Theresias erhört hatte, ihr Leben für die Priester aufzuopfern, als die Mutter Oberin ihr die Namen zweier Seminaristen anvertraute, die um die geistige Unterstützung einer Karmelitin gebeten hatten. Einer war Abbé Maurice Bellière, der wenige Tage nach dem Sterben Theresias das Ordenskleid der „Weißen Väter“ entgegennahm und dann Priester und Missionar wurde. Der andere war P. Adolphe Rouillard, den die Heilige bis zu seiner Priesterweihe, und vor allem danach als Missionar in China, mit ihren Gebeten und Opfern begleitete.

Seliger Kardinal Clemens August von Galen

Am 13. September 1933 wurde der Pfarrer Clemens Graf von Galen mit 55 Jahren von Papst Pius XI. zum Bischof von Münster ernannt. Seinem Wahlspruch gemäß, sich „nicht durch Lob und nicht durch Furcht“ beeinflussen zu lassen, protestierte er öffentlich „Mich hat es die Mutter gelehrt“ gegen die Terrormaßnahmen der Gestapo und klagte den Staat an, wo dieser die Rechte der Kirche und der Gläubigen verletzte. 1946 ernannte Papst Pius XII. den Bischof von Münster wegen seiner Verdienste und seinem einzigartigen Bekennermut zum Kardinal. Bei seinem Amtsantritt als Oberhirte von Münster ließ Bischof Graf von Galen ein Bildchen drucken, auf dem folgender Text stand:

„Ich bin das dreizehnte Kind in unserer Familie, und ich werde es ewig meiner Mutter danken, dass sie den Mut hatte, auch zu diesem dreizehnten Kind noch ein Ja zu sprechen. Ohne dieses Ja der Mutter wäre ich jetzt nicht Priester und Bischof.“

Zur heiligen Gertrud sagte Jesus: ,,Geliebte Tochter, wenn ich deine Gebete und Wünsche manchmal nicht erhöre, so ge­schieht dies nur, um dir zur gegebenen Zeit noch mehr zu schenken. Du kannst in deiner menschlichen Schwachheit nicht erkennen, was zurzeit für dich am vorteilhaftesten ist." 

Zum helilgen Pfarrer von Ars kam eines Tages ein kranker Ordensmann und bat, dass er ihm die Heilung erbitten möge. Da sagte der heilige Pfarrer zu ihm: "Mein Freund, in der To­desstunde wirst du erkennen, dass du mit deiner Krankheit mehr Seelen gerettet hast als durch deine schönsten Predigten. Überlasse darum dein Kranksein oder Gesundsein dem Herr­gott, denn er weiß am Besten, was für dich und deine Seele am nützlichsten und Heilsamsten ist."

Zu Pater Pio kam eine Frau und klagte: ,,Pater Pio, stellen sie sich vor, dreißig Jahre bin ich schon krank. Nur mit Mühe und Not kann ich meine Hausarbeiten verrichten, doch jetzt kann ich nicht mehr, ich bin am Verzweifeln!" Daraufhin sagte P. Pio zu ihr: ,,Damit du es weißt, du hast zwei Brüder daheim, und die führen ein schlechtes Leben; deine Verwandten sind auch nicht viel besser. Sie alle laufen Gefahr, verloren zu ge­hen. Doch dich hat der göttliche Heiland auserwählt, um ihre Seelen zu retten. Zwei Jahre wirst du noch leiden müssen, dann werden sie sich bekehren und du wirst gesund sein"

in kranker Mönch kam zu dem Einsiedler Johannes und bat ihn um sein Gebet. Der fromme Eremit sagte zu ihm: ,,Mein Sohn, du willst von etwas geheilt werden, was dir sehr nützlich und heilsam ist. Denn genauso wie die Seife die Wäsche rei­nigt, so reinigt auch das Leiden deine Seele. Trage es in Ge­duld, und du wirst von deinen Sünden gereinigt und deshalb nicht einmal in das Fegefeuer kommen, sondern sofort nach deinem Tod in die ewige Glückseligkeit des Himmels einge­hen." 

Stellvertretung

Die Stellvertretung ist ein geschichtlich belasteter Begriff, denn nicht selten hat er etwas Quälerisches an sich, so dass der Eindruck entstand, Katholiken müssten in einer ständigen Büßerhaltung ihr Leben auf Erden verbringen. Deshalb war es mir ein Anliegen, die Stellvertretung biblisch zu begründen. 

Unzählige im Leid lebende Menschen haben in den letzten Jahren dieses Buch von Peter Hahne als eine Hilfe erlebt. 160 Seite umfasst die überarbeitete, gebundene Neuauflage des Buches und ist im Handel erhältlich. Hier ein Auszug: 

„Am Ende der Zeiten versammelten sich Milliarden Menschen vor dem Thron Gottes. Die einen schauten ängstlich in das gleißend helle Licht. Andere kümmert das alles nichts. Sie stehen in Gruppen zusammen und diskutieren hitzig miteinander. Sie haben nur ein Thema: Wie kann Gott das Leid zulassen, das die Menschen jetzt im Lebensrückblick aufgehäuft sehen? Wie kann er über uns zu Gericht sitzen?
„Hat er denn jemals leiden müssen?“ faucht eine alte Frau mit schneidender Stimme. Sie zieht ihren Ärmel hoch und zeigt auf die eintätowierte Nummer eines Konzentrationslagers.
Ein farbiger junger Mann öffnet aufgeregt seinen Hemdkragen. „Schaut Euch das an!“ fordert er die Umstehenden auf und zeigt seine Wundmale am Hals. Male eines Strickes. „Gelyncht haben sie mich, nur weil ich schwarz bin. In Sklavenschiffen haben sie uns verschleppt. Soll das ein Gott der Liebe sein?“
Überall kommt jetzt ärgerliche Stimmung auf. Und jeder richtet seine Klage gegen Gott. Das will ein Gott der Liebe sein…“ Wie gut hast Du es doch, Gott“ sagen sie. „Wie gut hast du es in deinem Himmel in all der Schönheit. Bei dir gibt es keine Tränen, keine Angst, keinen Hunger, keinen Hass, kein Leid. Aber wir? Kannst Du dir überhaupt vorstellen, was der Mensch alles erdulden muss? Was es heißt Leid zu ertragen und Tränen zu weinen? Schließlich führst du, Gott, doch ein behütetes beschauliches Dasein…“ So reden die Leute um den Thron Gottes.
Und plötzlich hat jemand eine Idee: „Wir sollten Gott den Prozess machen. Wir wollen ihn verurteilen.“ Jede der Gruppen wählt eine sich einen Sprecher. Da ist ein Jude, ein Schwarzer, eine uneheliche Tochter, ein Unberührbarer aus Indien, ein entstellter Leprakranker, ein Bombenopfer, ein Gefolterter aus dem Arbeitslager Sibiriens… Sie alle diskutieren aufgeregt. Dann sind sie sich alle mit der Formulierung der Anklage gegen Gott einig: „Bevor Gott das Recht hat, über uns zu Gericht zu sitzen, soll er erstmals ertragen, was wir Menschen auf Erden an Leid erdulden mussten. Gott soll dazu verurteil werden, auf dieser Erde zu leben. Als Mensch.“
Weil Gott aber Gott ist, stellen die Menschen in ihrem Prozess bestimmte Bedingungen auf: Er soll keine Möglichkeiten haben, sich aufgrund seiner göttlichen Natur selbst zu helfen. Die Legitimität seiner Geburt soll zweifelhaft sein. Unehelich soll er geboren werden. Niemand soll wissen, wer eigentlich sein Vater ist. Als Jude soll er geboren werden und verachtet werden. Als solcher Mensch soll er einmal versuchen, seinen Mitmenschen zu erklären, wer Gott ist. Von seinen engsten Freunden soll er schließlich verraten werde. Mit falschen Anschuldigungen soll ihm der Prozess gemacht werden.
Ja die Leute vor dem Thron Gottes übertrumpften sich förmlich gegenseitig mit Vorschlägen, wie man Gott bestrafen soll. Von einen voreingenommenen Gericht soll er verhört werden. Ein feiger Richter soll ihn aburteilen. Er soll erfahren, was es heißt, von allen Menschen verlassen und total einsam zu sein. Er soll brutal gequält werden und dann grausam sterben. Und das in aller Öffentlichkeit. Eine Menge von Zeugen soll dabei sein. Sie sollen spotten, spucken, lachen, höhnen.
Die Menschen vor dem Thron Gottes sind sich einig: Gott soll auf der Erde all das erleiden, was ihnen in der Zeit ihres Lebens widerfahren ist. Jeder der Sprecher verkündet sein Urteil gegen Gott. Hart und erbarmungslos. Ein Prozess ohne Gnade.
Und während ein Urteilsspruch nach dem anderen vorgetragen wird, geht plötzlich ein Raunen durch die Menge. Als der Letzte sein Urteil fällt, wird es ganz still. Eine Stecknadel könnte man fallen hören.
Plötzlich senken alle, die Gott so grausam verurteilt haben ihre Köpfe. Jedem ist klar: Gott hat die Strafe ja schon längst auf sich genommen! Das Urteil hat er ja schon längst getragen!
Gott ist kein Gott der Pracht. In einen ärmlichen Stall wurde er geboren. Unehelich. Die Menschen haben ihn verkannt, verlacht, verspottet und schließlich verurteilt. In seinen letzten Stunden war er einsam, wurde gequält und gemartert. Alles, was man sich an Leid und Ungerechtigkeit vorstellen kann, ist zusammengeballt auf diesen einen.
Ich habe verstanden. Gott ist Mensch geworden. Er hat gelitten wie wir. Er nimmt uns das Leid nicht ab, aber er zeigt uns einen Weg durch das Leid.
„Vertrauen in Gott heißt auch“ sagte mir ein Arbeitskollege, dessen Sohn vor zehn Jahren am plötzlichen Kindstod gestorben war: „Ich lerne es, mit Fragen zu leben, auf die ich auf dieser Welt keine Antwort finde.“ Nicht immer, aber doch oft kann ich nun glauben: Gott ist für uns gestorben, um uns zu zeigen, dass es einen Weg durch das Leid hindurch gibt!
 

 

 

Gott und das Leid

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