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Pfarrei der Woche aus Tann

Wir sind mit der Aktion "Pfarrei der Woche" zu Gast im Pfarrverband Tann im Landkreis Rottal-Inn in Niederbayern, kirchenpolitisch im Bistum Passau. Eingeladen hat uns Pfarrer Wolfgang Reincke, da sich in diesem Jahr der Beginn der "Wallfahrt zum Herrgott von Tann" zum 325. Mal jährt. Ein Grund zum Feiern einerseits und ein trefflicher Anlass, sich diesen Pfarrverband einmal genauer anzusehen, andererseits. Und natürlich sind wir auch wieder eingeladen, einen Gottesdienst vor Ort mitzufeiern - am heute um 10 Uhr - aus der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Petrus und Paulus in Tann.

Als Pfarrer von Tann sterben
Das ist es, was sich Pfarrer Reincke durchaus vorstellen könnte. Dabei war es zunächst nicht einmal so klar, dass er überhaupt Priester werden würde. Es wäre kein Engel gekommen und hätte ihm gesagt, was zu tun sei, sondern es wäre ein "langsames Liebenlernen der Eucharistie" gewesen, wie er verrät. Zunächst hatte der gelernte Elektriker aber ein Jahr lang in seinem Beruf gearbeitet und überlegte das Abitur nachzuholen, um Ingenieur zu werden. Auf der Suche nach einem Ort, wo er das Abitur nachholen könne, stolperte er über ein Spätberufenenseminar, wo er schließlich auch das Abi machte. Hier wuchs auch die Liebe zur Eucharistie und mit ihr die Frage nach dem "wie weiter". Die Einberufung zum Wehrdienst sollte schließlich ein segensreiches "Jahr der Sondierung" mit sich bringen, dass schließlich tatsächlich in dem Entschluss Priester zu werden mündete. Das Jahr war einerseits bestimmt von vielen guten Gesprächen und andererseits kristallisierte sich heraus, dass ihm die Eucharistie bei der Bundeswehr sehr fehlte. 2003 wurde er schließlich zum Priester geweiht und übernahm schlussendlich 2010 die Stelle an seinem heutigen Dienstort im Pfarrverband Tann. Der heimatverbunde Pfarrer, der unweit von seinem heutigen Wirkungsort aufgewachsen ist, fühlt sich hier sichtlich wohl. Der aktive Feuerwehrmann, mit Vergangenheit beim Technischen Hilfswerk, liebt das Vereinsleben auf dem Land, das auch viel Miteinander mit sich bringt, weil man sich halt kennt und genießt auch die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde. Auch seine Arbeit als Religionslehrer verzahnt hier alles zusätzlich. Man kennt sich und schätzt sich und weiß immer, wer wen kennt, der das weiß oder kann, was man gerade braucht. Dieses schöne Miteinander auf allen Ebenen liebt Pfarrer Reincke. So verwundert einen die Aussage von Pfarrer Reincke "ich möchte als Pfarrer von Tann sterben" auch wenig.

Der Pfarrverband Tann
Gut zusammengewachsen sei er, der Pfarrverband, erklärt Pfarrer Reincke. Allerdings sind die Kirchen vor Ort nicht nur in der Landschaft präsent, sondern auch im Leben der Gläubigen. Gottesdienste und alles, was vor Ort möglich ist, findet auch jeweils vor Ort statt. Das allerdings, wofür die einzelne Pfarrei zu klein sei, würde gemeinsam angepackt. Man bündelt also die Kräfte dort, wo es Sin macht und die gemeinsame Sache voranbringt. Zahlreiche typisch katholische Gruppen und Verbände gibt es hier, die für jedes Alter Angebote bereithalten. Auch Anbetung findet man vor Ort sowie mehrere Bruderschaften. Zudem viele kirchlich engagierte Vereine. Hier werde viel gemeinsam gestaltet, resümiert Pfarrer Reincke und man könne hier viel auf die Beine stellen, weil es ein schönes Miteinander sei.


325 Jahre Wallfahrt zum Herrgott von Tann
Am 3. Mai 1696 hat die Wallfahrt offiziell begonnen. Wie es dazu kam? Der Überlieferung nach, hatte ein Schreinergeselle ein Kruzifix gefunden und richtete es wieder her. Als es fertig war schenkte er es einem Freund. Auffallend war, dass überall wo das Kruzifix war, die Menschen von großen Krankheiten verschont blieben. Das galt nicht nur für gewöhnliche Krankheiten, sondern auch für die Pestzeit. Schließlich wurde das Kreuz dem Marktschreiber von Tann geschenkt, der hernach nicht mehr richtig seiner Arbeit nachgehen konnte, weil ständig Leute zum Anbeten kamen. Nun wandte man sich an die Diözese Salzburg, zu der Tann damals noch gehörte. Eine bischöfliche Kommission wurde eingerichtet, um das Kruzifix und das, was ihm nachgesagt wurde zu prüfen. Damals war bereits Haupthaar an das Kruzifix angebracht worden. Irgendjemand hatte es jedoch, während der Prüfung der Wundertätigkeit, gekürzt. Als es danach wieder nachwuchs, sah man darin ein Wunder und der Startschuss für die Wallfahrt war gegeben.

Die Wallfahrtskirche: ein Schwarzbau
Das Kruzifix war nun offiziell verehrungswürdig und wundertätig. Die Infrastruktur war jedoch unverändert. Die damalige Kirche war zu klein. Weil die bayerische Regierung 1800, also während der napoleonischen Kriege, kein Geld für Kirchbauten ausgeben wollte, die Tanner allerdings durch die Wallfahrt finanziell gut aufgestellt waren, riss man die alte Kirche kurzerhand selbst ab und baute eine neue. Als die Regierung das später bemerkte, war die neue, heutige Kirche bereits fertig. Ein schönes Zeichen für Christus in widrigen Zeiten sei das gewesen, meint Pfarrer Reincke

Ein Glockenspiel für die Wallfahrtskirche
Ein Glockenspiel für die Wallfahrtskirche, das nicht nur das Wallfahrtslied erklingen lassen kann, sondern das auch die Bayernhymne und sonst auch alles spielen könne, davon träumt Pfarrer Reincke. Dafür bräuchte er 13 Glocken. 12 hat er schon. Das Ziel ist also greifbar nah. Es könne auch so ein Zeichen sein, wie damals der Kirchenschwarzbau. Damals im Krieg und heute in der Coronazeit. Ein Zeichen der Hoffnung in schwieriger Zeit.

Pfarr(haus)leben auf Zeit
Eine besondere Einladung hat Pfarrer Reincke noch. Es gibt die Möglichkeit eine Weile im Pfarrhof zu leben. Entweder um mitzuarbeiten oder aber auch, um in Stille und Gebet zu gehen, um zu hören, was Gott für einen bereit hält. Wer daran Interesse hat, kann sich im Pfarrbüro in Tann melden.
Es begann bei Kaffee und Kuchen und wurde eine sehr schöne und herzliche Begegnung, das Interview mit Pfarrer Wolfgang Reincke. Gerne hätte ich hier noch viel mehr geschrieben. Weil das aber einerseits den Rahmen sprengen würde und andererseits dennoch nicht die Liebe zu seinem Dienst und den ihm anvertrauten Menschen transportieren könnte, empfehle ich Ihnen einfach, das Interview mit Pfarrer Reincke hier nachzuhören, um das zu entdecken, was er noch mit uns geteilt hat und ihn als Mensch zu erleben, wenn auch nur akustisch.


Herzliche Grüße und Gottes Segen

Ihr Markus Münch


Anfahrt zur Kirche:
Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Petrus und Paulus
Kirchengasse 17
84367 Tann

Der Pfarrverband im Internet


Corona-Hinweis:
Gerne können Sie den Sonntagsgottesdienst auch vor Ort live mitfeiern. Es gibt keine Voranmeldung und in der Regel freie Plätze. Die mittlerweile üblichen Schutzmaßnahmen gelten wie gewohnt.

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