Jetzt: Bild der Kirche - Bedeutung der Hl. Messe. P. Klaus Einsle LC
Bild der Kirche - Bedeutung der Hl. Messe. P. Klaus Einsle LC

Stellungnahme zu den Äußerungen des Papstes

"Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben. Sie sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie", sagt Papst Franziskus wörtlich in einer Szene des Dokumentarfilms "Francesco" des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski. Er spreche sich damit für den gesetzlichen Schutz der Lebensgemeinschaft von gleichgeschlechtlichen Paaren aus, heißt es. Ralf Oppmann hat im Streiflicht über diese Äußerung des Heiligen Vaters mit dem Romkorrespondenten Guido Horst gesprochen. Die christliche Ehe werde aber durch die Äußerung des Papstes nicht berührt, fügt Horst am Ende hinzu. Dieses Thema wird uns die nächsten Tage beschäftigen. Es wird eine offizielle Stellungnahme aus dem Vatikan erwartet. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Unseren Beitrag im Streiflicht können Sie hier nachhören:


Auch im Wortlaut stellen wir Ihnen das Interview mit Guido Horst zur Verfügung:

In den Nachrichten war zu lesen, dass Papst Franziskus eingetragene zivile Partnerschaften für homosexuelle Paare befürwortet. So soll  sich der Papst in einem Dokumentarfilm geäußert haben, der am Mittwoch in Rom Premiere hatte. In einer Szene des Films sagt der Papst, Homosexuelle hätten das Recht, in einer Familie zu leben. Sie seien genauso Kinder Gottes und hätten somit das Recht auf eine Familie, dem dürfe man sich nicht entgegenstellen, betonte der Papst im Film. Während der Papst bereits in früheren Aussagen eine Duldung der Homosexuellen Partnerschaft signalisierte, lehnte er eine gleichgeschlechtliche Ehe aber weiter ab. Über die Aussagen im Film und wie sie zu verstehen sind, spricht jetzt mit Ihnen der Rom-Korrespondent Guido Horst.

Ralf Oppmann: Wie ordnen Sie diese Meldung ein?
Guido Horst: Ja das ist authentisch, der Papst ist für ein Rechtsinstitut, dass man hier in Italien Zivil Union nennt. Das ist ein bisschen kürzer als „gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft“ oder „eingetragene Lebenspartnerschaft“ in Deutschland, meint aber dasselbe. Der Regisseur hat Material aus verschiedenen Interviews genutzt, es ist daher nicht ganz klar was der Papst noch alles gesagt hat. Also, dass homosexuelle Menschen ein Recht auf Familie haben, das bestreitet ja niemand. Und dann wird ein Zeugnis gezeigt, ein Homosexueller, der mit einem anderen Mann zusammenlebt, die beiden haben drei Kinder, welche die beiden erziehen.
In einem Gespräch wird ihm vom Papst empfohlen, seine Kinder in die Pfarrei zu schicken, zur Ausbildung, also zur religiösen Weiterbildung. Dagegen ist natürlich auch nichts zu sagen. Aber dass der Papst sich speziell für diese Zivilunionen einsetzt, ist natürlich ein Politikum, das jetzt auf einem Filmdokument ganz klar zum Ausdruck kommt. Es gibt jetzt auch schon Stimmen dagegen, eine sehr bestimmte Erklärung von Kardinal Gerhard Müller liegt schon vor, dieser fordert dazu auf, dem Papst zu widersprechen. Meine Erfahrung ist die, dass die Bischöfe der unterschiedlichen Länder da sehr vorsichtig agiert haben, weil eins ist klar, was auch für den Papst nicht geht, ist die Homo-Ehe. Also die Ehe zwischen zwei Personen gleichen Geschlechts, also das ist völlig abzulehnen, da rüttelt selbst der Papst nicht dran.
Was die Frage der Zivilunionen angeht, so haben sich verschiedene Bischöfe, unter anderem der argentinische sehr vorsichtig geäußert. Es gibt eine klare Stellungnahme der Glaubenskongregation, die katholische Politiker auffordert, solchen Vorhaben zu wiedersprechen, aber das hat der Papst eben nun mit dieser Erklärung gekippt, auch wenn man bedauern muss, dass es auf diese Weise geschah, in einem Dokumentarfilm, wo der Papst natürlich eher seine persönliche Meinung sagt, als sich Lehramtlich zu äußern.

Oppmann: Sie haben den Film selbst gesehen und haben auch gesagt, dass dieser aus verschiedenen Stellen zusammengeschnitten wurde. Glauben Sie, er äußert sich dort als Oberhaupt der katholischen Kirche oder äußert er sich nur als Privatperson?
Horst: An dieser Stelle hat er sich, ganz klar als Privatperson geäußert, also lehramtliche Äußerungen sehen ja ganz anders aus. Sie sind meist schriftlich und werden theologisch oder moraltheologisch argumentiert, wenn es eben um solche Themen geht. Eine lehramtliche Aussage des Papstes war das sicher nicht.
Doch wir wissen wie die Welt ist: Wenn ein Papst so etwas erst einmal gesagt hat, ist es nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Es beeinflusst natürlich die Diskussion, nicht zuletzt in Deutschland, wo es ja beim „Synodalen Weg“ auch um die Pastoral im Fall von homosexuell orientierten Menschen geht.

Oppmann: Sie als Chefredakteur des Vatikan-Magazins haben ja einen ganz guten Blick auch hinter die Kulissen. Glauben sie, dass diese Aussage zur Verunsicherung der Mitarbeiter in der Kurie des Vatikans führen wird? Denn diese Aussage war ja auch sicher nicht mit der Glaubenskongregation abgesprochen?
Horst: Ja sicher gibt es dort eine gewisse Verwirrung oder Verunsicherung, da der Papst einer Vereinbarung der Glaubenskongregation aus dem Jahr 2003 widerspricht, was für kirchliche Verhältnisse noch nicht sehr lange her ist. Heute Morgen hieß es schon, es gäbe heute Mittag eine Erklärung hier aus den heiligen Hallen des Vatikans. Daran wird nun sicher auch schon gearbeitet und es wird natürlich auch daran gearbeitet, das einzuordnen. Verschiedenste Episkopate, auch der deutsche, haben keinen Aufstand gemacht, dass ein Land ein Gesetz über diese zivilen Unionen erlässt. Sie haben lediglich betont, dass die Ehe selbst nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann. Warum sollen Paare, es müssen ja nicht immer Homosexuelle sein, also so zum Beispiel zwei Schwestern, die alt geworden sind, oder ein Pfarrer und seine Haushälterin, mit der er nicht verwandt ist - warum sollen die nicht auch eine zivile Union eingehen können, wenn es zum Beispiel darum geht sich im Alters- oder Krankheitsfall zu pflegen oder die Geschäfte des anderen zu führen.
Das sind Fragen, da muss man sehr politisch und sehr klug sein. Und wenn der Papst einer Erklärung widerspricht, die aus dem eigenen Haus kommt, sprich aus der Glaubenskongregation, dann wird das sicher ein Nachspiel haben.

Oppmann: Bei dem einen geht es eben ganz klar um rechtliche und wirtschaftliche Belange und bei einer Lebensbeziehung oder Ehe, da geht es um ganz andere Dinge.
Horst: Das ist richtig. Die katholische oder christliche Ehe ist durch die Worte des Papstes nicht im Geringsten berührt.

Oppmann: Und wie gesagt, gibt es noch keine offizielle Stellungnahme aus dem Vatikan…
Horst: Wir haben eben damit gerechnet, dass um 12 Uhr etwas kommt. Es kam nicht, sondern stattdessen nur eine Erklärung zum Abkommen zwischen dem Vatikan und China, das um zwei Jahre verlängert wird.

Oppmann: Vielen Dank für Ihre Einschätzung und ich denke, das wird uns die nächsten Tage, wenn nicht Woche beschäftigen.

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