Jetzt: Dominikus Trautner: Liebster Jesu, wir sind hier
Dominikus Trautner: Liebster Jesu, wir sind hier

Pfarrei der Woche in Stopfenheim

Wir sind mit der "Aktion Pfarrei der Woche" zu Gast in Stopfenheim. Eingeladen sind wir bei Pfarrer Martin Seefried in seiner Pfarrei "St. Augustinus Stopfenheim" im Bistum Eichstätt in Mittelfranken - eine halbe Autostunde südlich von Nürnberg.

Kirche als Folklore
Religion sei etwas wie Gedichte aufsagen für ihn gewesen, erklärt Pfarrer Seefried seinen einstigen Bezug zum katholischen Glauben. Unweit des Wallfahrtsorts Maria Brünnlein in Wemding aufgewachsen, hatte er religiöse Traditionen quasi mit der Muttermilch mitbekommen. Seinen spannenden Berufungsweg und wie Glauben für ihn von einer Kopfsache zur Herzensangelegenheit wurde, schildert er im ersten Teil des Interviews.

 90% Christen in der Diaspora
Ganz normal ist das nicht und dennoch Realität an den beiden Kirchenstandorten der Pfarrei St. Augustinus Stopfenheim. Tatsächlich zählen 1800 Christen zur Pfarrei. Stopfenheim hat ca. 800 Einwohner, von denen gut 90% Christen sind. Wie das gekommen ist und warum das auch über die Jahre hinweg so geblieben ist, erklärt Pfarrer Seefried im zweiten Teil des Interviews, das Sie hier nachhören können. Auch beleuchtet er die Frage, wie christliche Familien hier leben und ihre Kinder im Glauben erziehen, wenn in beinahe allen Ehen jeweils ein Partner evangelisch und einer katholisch ist.

Corona - Kitt bei der Verkündigung
Von Corona darf man halten was man will. Für Pfarrer Seefried haben sich durch die Beschränkungen auf jeden Fall ganz neue Synergieeffekte bei der Verkündigung ergeben. Neben seinem Dienst als Priester in der Pfarrei St. Augustinus ist er auch Dekanatsjugendseelsorger und geistlicher Begleiter der Jugend 2000 in Eichstätt. Seine Zielgruppe ist also sehr gemischt und beinhaltet eben auch Jugendliche und Studenten. Während der Coronazeit hat er nun einen Videolivestream etabliert, damit er mit seiner Gemeinde weiterhin Messe feiern kann. Zu diesem Livestream lädt er nun aber auch die Jugendlichen und Studierenden ein. Das sei mehr fokussiert, wie er sagt und bewahre davor sich in Detailbereiche des Glaubens zu versteigen um gleichzeitig den Fokus wieder mehr auf die Kernthemen, wie "Jesus und die persönliche Beziehung zu ihm", zu richten. Gleichzeitig sei die eher jugendliche Sprache bei den Predigten dabei eine Brücke zwischen den Generationen. Für alle, die sich selbst ein Bild davon machen wollen, übertragen wir, am 12.07.20 um 10:00 Uhr, hier auf dieser Seite auch den Videostream vom Sonntagsgottesdienst mit Pfarrer Seefried.

Ökumenischer Widerstand
Ein Beispiel für gelebtes Christsein einerseits und dörflicher Strukturen mit großem Zusammenhalt andererseits, findet sich im Widerstand gegen die einstigen Planungen hinsichtlich des Flurstücks "Singert". Dort habe man eine Mülldeponie einrichten wollen, erklärt Pfarrer Seefried. Daraufhin habe man vor Ort die Idee entwickelt, das Gelände zum Wallfahrtsort zu erklären. Jährlich gäbe es nun einen ökumenischen Wallfahrtstag und eben keine Müllkippe auf dem Gelände.

 

Hausbesetzer im Pfarrhaus
Ein Hauch großstädtischen Flairs erlebten die Jugendlichen der Gemeinde einst im Pfarrhaus in Stopfenheim. Beim Antritt von Pfarrer Seefried war ungeklärt, ob das Pfarrhaus saniert würde, oder ob der Pfarrer künftig an einem anderen Ort würde wohnen müssen. Kurzum, dass Pfarrhaus war quasi ein Rohbau und offen. Die Jugendlichen, die damals keinen geeigneten Ort hatten, um sich zu treffen, stellten sich einige Couchen ins Haus und trafen sich nun künftig hier, bis sie ihr eigenes Jugendzentrum bauten, was wieder eine andere Geschichte ist, die hier im Interview mit Pfarrer Seefried nachgehört werden kann.

Kirche als Handwerkerobjekt
Repräsentativ sollte sie sein, so wollte es einst der Deutschorden, der als Gegenreformator dem Katholischen wieder mehr Gewicht und Stimme geben wollte. Fertiggestellt wurde die heutige Pfarrkirche St. Augustinus dann erst kurz vor der Säkularisation. Die Kirche war völlig leer und auch 100 Jahre lang nicht ausgemalt. St. Augustinus war also vergleichbar mit einem Handwerkerobjekt, wo der Besitzer noch selbst Hand anlegen muss, um sein Haus fertigzustellen. Genau das taten auch die Stopfenheimer und ihre Pfarrer, über die Jahre hinweg, damit ihr Gotteshaus zu dem werden konnte, was es heute ist. So steht beispielsweise noch heute der hölzerne Volksaltar in der Kirche, der einst während des 2. Vatikanischen Konzils vom damaligen Pfarrer bei einem hiesigen Tischler in Auftrag gegeben wurde. Der später vom Bischof zur Verfügung gestellte Altarstein wurde jetzt vor einigen Jahren nachträglich von eben derselben Tischlerei in den Holzaltar eingebaut. Auch die Kirchenmalerei ist einem der Vorgängerpriester und dessen Beziehungen zu verdanken. Befreundet mit einem Kirchenmaler, bat er diesen, ihm die Kirche auszumalen, was er dann auch tat. Aufgrund der späten Ausmalung ist sie auch nicht im Barock-, sondern im Nazarenerstil erfolgt. Ein Schmankel als Beispiel dazu ist, dass, bei der Darstellung der Himmelfahrt Jesu, am Boden noch die Fußabdrücke des entschwebenden zu sehen sind.
Wenn Sie sich einmal einen Eindruck von der Kirche, sowie Land und Leuten machen wollen, so kommen Sie gerne einmal vorbei, hier in Stopfenheim. Bei den Gottesdiensten sind zur Zeit allerdings die Plätze sehr begrenzt, weswegen wir Ihnen leider zur Übertragung keine explizite Einladung zur Mitfeier vor Ort aussprechen können. Fühlen Sie sich aber herzlich eingeladen, die Übertragung am Radio oder am Videolivestream mitzufeiern und natürlich im Vorfeld das Interview mit Pfarrer Martin Seefried gleich hier nachzuhören:

Herzliche Grüße und Segenswünsche, Ihr

Markus Münch
 

Adresse:

Pfarrkirche St. Augustinus
Ellinger Str. 4
91792 Ellingen-Stopfenheim

 

Webseite der Pfarrei:
https://www.pfarrei-stopfenheim.de

Bilder der Pfarrei St. Augustinus zum Durchklicken: