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Pfarrei der Woche: homebase in Stuttgart

Wir sind zu Gast in Stuttgart. Hier befindet sich die Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna. Seit ungefähr fünf Jahren sind hier die Christen von ehemals fünf Kirchenstandorten gemeinsam auf dem Weg hin zu einer großen Gemeinschaft. Es ist eine spannende Reise, auf die uns die Seelsorger aus der Gesamtkirchengemeinde eingeladen haben. Eine Reise durch eine Gemeinde, die aus vielen Facetten besteht und Raum für Neues gibt, ja sich selbst neu zu erfinden scheint.

Doppeltes Comeback
Pfarrer Ludwig-Frank Mattes und Diakon Martin Fischer, die uns im Interview über Ihren Dienst berichten, verbindet, dass sie beide ein Comeback, eine Rückkehr, erlebt haben. Bei Pfarrer Mattes war es mit dem Dienstantritt in der Gesamtkirchengemeinde in Stuttgart die Rückkehr auf das Terrain, wo er als junger Priester einst "erste Gehversuche" im pastoralen Dienst unternahm und nach 20 Jahren nun seit gut drei Jahren wieder an diesem Ort Dienst tut, wenngleich es damals noch nicht der heutige Gemeindezusammenschluss war, dem er heute als leitender Priester vorsteht. Gerne sei er allemal zurückgekehrt, wie er verrät, wenngleich der Abschied in der alten Pfarrei weder Pfarrer noch Gemeinde ganz leicht gefallen sei.

Diakon Martin Fischer hat eine ganz andere Form des Comebacks erlebt. Einst bewusst aus der katholischen Kirche ausgetreten, um in einer freien charismatischen Gemeinde seinen Weg zu suchen und zu gehen, erhielt er dort den Ruf, als Diakon in der katholischen Kirche Dienst zu tun. Nachdem der Ruf als solcher ganz klar geworden war, wurde er von seiner Freikirche sogar gesendet, um eben diesem Ruf zu folgen: Zunächst als Diakon im Zivilberuf und seit 2019 im Hauptamt.
Nun sind die beiden Seelsorger, gemeinsam mit einem Pfarrvikar, einem weiteren Diakon, einer Pastoralassistentin und 9.500 Christen, die sich in der Gesamtkirchengemeinde auf fünf Gemeinden und insgesamt acht Gottesdienststandorte verteilen, gemeinsam auf dem Weg.

Christen und ihre Kirchen
Jeder Gottesdienstort habe ein eigenes Profil, sagt Pfarrer Mattes. Da sei beispielsweise die Wallfahrtskirche St. Barbara in Hofen. Die Barockkirche ist die älteste katholisch gebliebene Kirche in Stuttgart. Neben einer "riesigen, schönen" Wallfahrt zieht sie auch geschichtlich Interessierte und Brautpaare an. Pfarrer Mattes betont aber auch besonders die marianische Spiritualität, wofür der Ort in besonderer Weise stünde. Heilig Kreuz in Sommerrain steht dazu architektonisch in krassem Kontrast. Die ehemalige Kirche wich der 1999 erbauten heutigen Kirche, die sehr modern gehalten aber auch sehr ansprechend gestaltet ist. Hier gäbe es einen "super Organisten", einen "virtuosen Künstler", wie Pfarrer Mattes verrät.

Die Kirche St. Bonifatius ist an eine bulgarisch-orthodoxe Gemeinde ausgeliehen, in St. Thomas trifft sich die zehntausend Christen zählende polnische Gemeinde zu Gottesdiensten, nimmt aber auch an Aktionen der Gesamtkirchengemeinde teil und St. Johannes Maria Vianney in Mönchsfeld wurde gerade abgerissen, um einem kleineren Ersatzbau zu weichen. Gleichzeitig sollen hier auch Seniorenwohnanlage und Kinderbetreuungseinrichtungen entstehen. Derzeit stünde allerding nur noch der Turm der alten Kirche, wie der Pfarrer erklärt.

Ökumene²
St. Augustinus in Stuttgart-Neugereut ist ein besonderer Ort und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Es ist eine katholische Kirche, die sich im Ökumenischen Zentrum befindet. Gleich nebenan ist der Feierraum der evangelischen Kirche. Verbunden sind die beiden Gottesdienstorte durch einen Raum zur Begegnung. Das Gemeindezentrum ist also quasi direkt vor Ort und lädt zur Begegnung ein. Zur Begegnung zwischen Christen beider christlicher Konfessionen. Gleichzeitig beherbergt die katholische St. Augustinus Kirche die homebase. Ein Projekt, das Heimat sein will für Menschen, die suchen und dabei die traditionelle katholische Messe mit freikirchlichen Elementen verbindet.

Tradition trifft auf frisch + modern
Die Idee zur homebase hatte Diakon Martin Fischer durch seine Zeit, die er in der Freikirche verbracht hat und durch die daraus gewonnenen Erfahrungen. "Wunderbare Musik, Kinderbetreuung, Begrüßungsdienst, viele Begegnungen und viele junge Leute und Familien", waren das, was ihn daran begeistert habe. Die Frage, die sich ihm später stellte, war, ob man diese Schätze nicht zusammenbringen könne mit Eucharistie, Buße - eben den Sakramenten - "den Schätzen der katholischen Kirche". Das Resultat ist die homebase. Gefeiert wird hier jeden Sonntag ein katholischer Gottesdienst. 90 Minuten dauert der und enthält, neben der katholischen Liturgie, eine Lobpreisgruppe, freies Gebet, buntes Licht, Liedtexte, die mit dem Beamer an die Wand geworfen werden und eine Predigt, die durch eine lockerere Ansprache versucht, alle Gottesdienstbesucher zu erreichen.

Wer kommt da? Es sei eine große Bandbreite, sagt Diakon Fischer. Junge Menschen kämen genauso, wie Familien und traditionelle Katholiken. Bei allem Ausschöpfen des Gestaltungsspielraums, den die katholische Liturgie gewähre, stehe diese letztlich im Vordergrund, ja sei das Profil der homebase, weswegen sich auch traditionelle Christen angezogen fühlten. Für Neu- oder Wiedereinsteiger werden alle Antworttexte ebenfalls per Beamer an die Wand geworfen, um den Einstieg zu erleichtern. Zudem gibt es ein Begrüßungsteam und Kinderbetreuung.
Möglichen machen das alles derzeit rund 60 ehrenamtliche Mitarbeiter, die das Projekt in allen Bereichen unterstützen und dafür teilweise über 50 km anreisen. Anreisen tun jedoch nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch viele Menschen, die sich hier zuhause fühlen und Gemeinschaft leben aber nicht direkt in Stuttgart wohnen.

Gebet = Motor
"Wie geht sowas?", könnte man fragen. Diakon Fischer hat darauf eine Antwort: Das Gebet sei eigentlich der Motor der homebase. So etwas könne man nicht einfach machen. Das Gebet müsse tragen und wäre zentral - alles andere sei zum Staunen. Aus dieser Erfahrung heraus soll in der Gesamtkirchengemeinde in Zukunft auch die ewige Anbetung installiert werden. Der Start soll noch in diesem Jahr sein. Pfarrer Mattes betont, dass Menschen, die dem Herrn ihre Zeit schenken wollen, herzlich willkommen wären. Es bleibt also spannend, welche Früchte der Gebetsmotor hier noch hervorbringen wird.


Herzliche Grüße und Gottes Segen, wünscht Ihnen Ihr

Markus Münch

 

Die homebase Stuttgart stellt sich auch mit Fotos vor: