Jetzt: Pfarrei der Woche: Seelsorgeeinheit Villingen, Kirche St. Bruder Klaus in Villingen-Schwenningen. - St. Bruder Klaus, Villingen-Schwenningen
Pfarrei der Woche: Seelsorgeeinheit Villingen, Kirche St. Bruder Klaus in Villingen-Schwenningen. - St. Bruder Klaus, Villingen-Schwenningen

Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe

Unter der Leitung des Vorsitzenden Georg Bätzing haben 65 der insgesamt 69 Bischöfe im Stadtschloss Fulda getagt. Die Bilder, Text- und Radiobeiträgen dieser drei Tage haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Während die Versammlungen im Frühjahr an wechselnden Orten stattfinden, treffen sich die deutschen Bischöfe im Herbst immer in Fulda, wo sich das Grab des heiligen Bonifatius befindet, der auch als Apostel der Deutschen bezeichnet wird.

Was wurde in Fulda besprochen?
Die deutschen Bischöfe berieten unter anderem über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das kirchliche Leben. Außerdem stand das weitere Fortgehen des Synodalen Weges insbesondere nach den gerade stattgefundenen Regionenkonferenzen auf dem Programm. Die Kirchenstatistik 2019 und die Instruktion der Kongregation für den Klerus über die Pfarrgemeinde stand ebenso im Fokus der Beratungen.
Auch um das Themenfeld "Aufklärung und Aufarbeitung" ging es in Fulda . Dabei sollen weitere Konsequenzen aus der Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" (MHG-Studie) gezogen werden.

Opferinitiative forderte ausgleichende Gerechtigkeit
Das Thema Entschädigung von Missbrauchsopfern stand bei dieser Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wieder auf der Tagesordnung. Nachdem man sich im Frühjahr auf Zahlungen je nach Fall zwischen 5.000 und 50.000 Euro verständigt hatte, wurde dieser Vorschlag als deutlich zu gering von den Opferverbänden abgelehnt. Um seiner Forderung nach deutlich hören Zahlungen Nachdruck zu verleihen startete die Opfervereinigung "Eckiger Tisch" am Mittwoch eine fantasievolle Protestaktion. Sie platzierte auf dem Fuldaer Domplatz zahlreiche große weiße Luftballons mit der Aufschrift "Ausgleichende Gerechtigkeit". Bei einigen dieser Luftballons wurden auch kleinere schwarze Luftballons mit verschiedenen Zahlen angehängt. Und am Boden wurde zu jedem Luftballon ein Zettel mit dem Name eines betroffenen Bistums, oder Ordens abgelegt. 

Tag 3: Viele Beschlüsse und ein Abschied

Heute, am 24. September, ist die Herbst-Vollversammlung der DBK zu Ende gegangen. Sie hat sich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das kirchliche Leben und dem weiteren Fortgang des Synodalen Weges insbesondere nach den gerade stattgefundenen Regionenkonferenzen befasst.
Im Themenfeld "Aufklärung und Aufarbeitung" ging es um weitere Konsequenzen aus der Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" (MHG-Studie). Ein verändertes Verfahren zur Anerkennung des Leids wurde beraten und beschlossen. Weitere Schwerpunktthemen der Beratungen waren die Kirchenstatistik 2019 und die Instruktion der Kongregation für den Klerus über die Pfarrgemeinde.

Der Sekretär der DBK gibt sein Amt auf
Zudem war die heutige Abschluss-Pressekonferenz der Herbstvollversammlung auch schon ein erster Abschied von den langjährigen Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. Dieser gibt sein Amt am 6. Januar 2021 auf. Insgesamt war der Jesuit rund 25 Jahre Sekretär der Bischofskonferenz und hat dabei an 48 Pressekonferenzen der DBK und 120 Sitzungen des Ständigen Rates teilgenommen.

Eindrücke von der Abschluss-Pressekonferenz


Kardinal Marx: Religion nicht instrumentalisieren

Kardinal Marx hat in seiner Predigt im Fuldaer Dom davor gewarnt, Religion zu instrumentalisieren und ihren wahren Wert wachzuhalten. In einer Gesprächsrunde habe er erlebt, wie jemand gerufen habe: "Stoppt Religion!" Erschrocken habe er dies zur Kenntnis genommen. "Mir war klar, da gibt es einen Hintergrund: Die Erfahrung, dass Religion im allgemeinen Sinne nicht nur einfach friedensstiftend ist, Menschen zusammenführt, Brücken baut, die Liebe fördert, sondern dass Religion auch Gräben aufreißen, Hass schüren kann und immer wieder für politische Zwecke instrumentalisiert wird", so Kardinal Marx weiter. Es gelte, wachsam zu sein, um Religion nicht zu missbrauchen und fundamentalistischen Strömungen keine Chance zu geben.

Am Morgen des letzten Versammlungstages hat Reinhard Kardinal Marx den Gedächtnisgottesdienst für verstorbene Mitglieder der DBK gefeiert


Die Bischöfe Overbeck, Bode und Schick zu den Auswirkungen von Corona auf das kirchliche Leben


Hören Sie die Pressekonferenz am zweiten Tag der Herbst-Vollversammlung nach:


In einer Pressekonferenz haben die Bischöfe Franz-Josef Overbeck (Essen), Ludwig Schick (Bamberg) und Franz-Josef Bode (Osnabrück) auf die sechs vergangenen Monate seit des Corona-Lockdown geblickt und die Folgen betrachtet. Bischof Bode hat die Folgen für das kirchliche Leben in drei Punkten zusammengefasst:

  1. 1. Corona hat Entwicklungen beschleunigt, die es vorher auch schon gab,
  2. 2. Corona verschiebt Schwerpunkte in der Pastoral bzw. fordert eine konsequente Aufmerksamkeit
        für neue Situationen von Seelsorge,
  3. 3. Corona lässt uns bescheidener werden, wenn wir von Gott und seinen Wegen mit den Menschen sprechen.

In der Corona-Krise zeige sich die Kreativität der Pfarreien, die einen Mentalitätswechsel hin zu mehr ehrenamtlicher Verantwortung vollzogen hätten. "Corona hat eine Entwicklung in der Pastoral beschleunigt, die in Zukunft weniger klerikerzentriert, dafür aber mit engagierten Gläubigen und damit auch partizipativer, selbstbestimmter und vielfältiger gestaltet sein will", machte Bode klar.
Das ganze Statement von Bischof Bode können Sie hier lesen und herunterladen.

Im Anschluss an das Pressegespräch hatte Ralf Oppmann noch Gelegenheit, beim Vorsitzenden der Pastoralkommission, dem Osnabrücker Bischof Dr. Franz-Josef Bode, einige Punkte genauer nachzufragen.
Das Interview mit Bischof Bode zum Thema Corona können Sie hier hören.

Bischof Overbeck: "Neue Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für den Nächsten"
In der Corona-Zeit habe man eine neue Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für den Nächsten beobachten können, so der Essener Oberhirte Franz-Josef Overbeck. Menschen in der Pflege und in sozialen Berufen würden eine erhöhte Wertschätzung erfahren - das Wort "Solidarität" würde mit neuen Inhalten gefüllt.
Andererseits treibe die Corona-Krise auch beunruhigende Früchte: "So schließen sich Menschen aus den verschiedensten Milieus - in ihrer Staatsferne vereint - zu eigentümlichen Allianzen zusammen und hängen teilweise gar Verschwörungsideologien an", fügte Overbeck hinzu. Die Sorgen der Menschen dürften an der Kirche nicht vorbeigehen, sondern ein zentrales Anliegen sein.
Das ganze Statement von Bischof Overbeck können Sie hier lesen und herunterladen.

Bischof Schick: Deutschland könne die Folgen der Pandemie gut abfedern
Der Bamberger Erzbischof und Vorsitzender der Kommission Weltkirche der DBK, Ludwig Schick, hat betont, dass "es unserem Land und anderen ökonomisch starken Staaten vergleichsweise gut gelingt, die gravierenden Folgen der Pandemie abzufedern." Anders sehe es in den Ländern der "Dritten Welt" aus: Dort sei die Pandemie weiterhin kaum unter Kontrolle. Viele Länder bewegten sich auf eine "ökonomisch-soziale Katastrophe" zu. Zudem könnten die Hilfswerke ihre Projekte aufgrund der Pandemie nicht verwirklicht werden. Schick stellte in diesem Zusammenhang eine pragmatische Lösung vor: "Projektmittel für 2020 sollen auch im kommenden Jahr noch zur Verfügung stehen. Denn es ist sicher", fügte Schick an, "die Menschen werden auch in den kommenden Jahren unsere Unterstützung brauchen."
Das ganze Statement von Erzbischof Schick können Sie hier lesen und herunterladen.

Tag 2: Wie hat Corona das kirchliche Leben beeinflusst?

Rainer Maria Kardinal Woelki: Dem Wort Gottes nichts hinzufügen, um es angenehmer zu machen


"Unter Umständen ist die Versuchung groß, dem Wort Gottes etwas hinzuzufügen, um es angenehmer zu machen. Dass das nicht ohne ist, darauf weist heute ausdrücklich die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter hin", sagte Rainer Maria Kardinal Woelki in seiner Predigt am zweiten Tag der Herbst-Vollversammlung. Im sechsten Vers des 30. Kapitels im Buch der Sprichwörter heißt es: "Füg seinen (Gottes) Worten nichts hinzu, sonst überführt er dich und du stehst als Lügner da."
Es brauche unser Vertrauen in Gott, dass Er für uns und unser Dasein sorgt, fügte Kardinal Woelki hinzu. "Denn auch heute werden wir nicht überall freudig aufgenommen, wenn wir das Wort Gottes
verkünden. Auch heute ist es ein Wagnis, das Evangelium zu verkünden, ein Wagnis allerdings, das sich lohnt einzugehen. Einfach deshalb, weil es Gottes Wort ist."
Die Predigt von Rainer Maria Kardinal Woelki im Wortlaut können Sie hier lesen und herunterladen.

Kardinal Woelki hat den Gottesdienst am frühen Morgen gefeiert:


Tag 1: Sitzungsbeginn und Eröffnungsgottesdienst

"Um leben zu können, braucht es Verlässlichkeit. Wer meint, die Welt und sich selbst immer neu erfinden zu müssen, der wird bald außer Atem geraten", macht der Vorsitzende der DBK in seiner Predigt klar. Gute Gewohnheiten, Wiederholungen, Zeremonien und Riten verliehen Stabilität - sowohl im Alltag als auch im Glaubensleben, so Bätzing weiter.
Er berichtet am Dienstagabend auch von der Visitation einer Pfarrgemeinde und der anschließenden Begegnung mit ehrenamtlich Engagierten. Selten habe er hinter den vielen Fragen den Druck so gespürt, der auf den Gläubigen lastet. Was könne die Krise stoppen, damit es wenigstens ein bisschen so werde wie früher?
Die Predigt von Bischof Georg Bätzing im Wortlaut können sie hier lesen und herunterladen.

Bischof Georg Bätzing hat den Eröffnungsgottesdienst am Abend des ersten Tages gefeiert:


Auftakt-Pressekonferenz zur Herbst-Vollversammlung

Am Vormittag wurde die Versammlung in Fulda offiziell eröffnet. Am Mittag gab der Vorsitzende Bischof Georg Bätzing ein erstes Pressestatement ab und ging auf Fragen von Journalisten ein. Neben den oben genannten Punkten hat Bätzing die Demonstrationen und Proteste von Frauen und Missbrauchsopfern im Rahmen der Herbst-Vollversammlung gewürdigt. Die Anliegen der Frauen nach mehr Beteiligung in der Kirche und der Kampf gegen Missbrauch seien wesentliche Elemente des Reformprozesses in der katholischen Kirche, sagte der Limburger Bischof. Er schätze diese Demonstrationen, fügte Bätzing hinzu. "Diese Anliegen aufzunehmen, ist für uns Bischöfe Pflicht und keine Kür".
Bätzing wiederholte die Einschätzung, dass der Synodale Weg keine Kirchenspaltung und keine deutsche Nationalkirche bringe. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatte zuvor vor einer solchen Entwicklung gewarnt.

Die Pressekonferenz und die Statements können Sie hier nachhören:


Eindrücke vom ersten Tag der Herbst-Vollversammlung: