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Leben mit Gott

Die Herz-Jesu-Verehrung

Der Monat Juni ist in ganz besonderer Weise dem heiligsten Herzen Jesu geweiht. Jeder erste Freitag im Monat ist der sogenannte Herz-Jesu-Freitag und wird feierlich begangen.

Ursprung des Herz Jesu-Festes liegt in der Bibel
Im Johannes-Evangelium ist die Verehrung des Herzens Jesu begründet. Dort heißt im 19. Kapitel: "Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus." (Joh 19,33-34) Während den beiden Mitgekreuzigten die Beine zerschlagen wurden, stellten die Soldaten mit dem Lanzenstich den Tod Jesu fest.

Aus der geöffneten Seite Jesu entspringen die Sakramente
Das Herz Jesu hat die Kirche schon sehr früh als Symbol seiner Menschheit gedeutet. Zugleich drückt sich darin seine besondere Liebe zu den Menschen aus. Frühchristliche Autoren haben die geöffnete Seite Jesu als Pforte des Heils gedeutet, aus der die Kirche und die Sakramente entspringen. Dabei stehe das Blut für die Eucharistie, das Wasser für die Taufe.
Das Mittelalter war die Blütezeit der Herz-Jesu-Frömmigkeit. Die Heiligen Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta geben dem Herzen Jesu in ihren mystischen Betrachtungen sehr viel Raum. Die Herz Jesu-Frömmigkeit wurde in dieser Zeit vor allem im Privaten und klösterlichen Leben praktiziert.

"Fest der heiligen Lanze" als Vorläufer
Ein Fest der Heiligen Lanze hat Papst Innozenz VI. bereits 1353 eingeführt. Zeitgleich haben die Dominikaner im deutschen Sprachraum mit einem Fest die fünf Wunden Jesu verehrt. Ein erstes vergleichbares Herz Jesu-Fest ist im 15. Jahrhundert im Raum Colmar überliefert. Eine erste Votivmesse zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu hat der heilige Johannes Eudes 1672 gefeiert.

Margaretha-Maria Alacoque und die Herz-Jesu-Freitage

Die Einführung des Herz Jesu-Festes ist schrittweise erfolgt:

  • 1672: Erstmalige Feier des Festes in einer französischen Kongregation.
  • 1675: Visionen der französischen Ordensfrau Margareta-Maria Alacoque mit dem Auftrag Jesu, ein Fest zu Ehren seines Herzens zu etablieren.
  • 1765: Einführung eines Herz Jesu-Festes von Papst Clemens XIII. für die polnische Ortskirche am Freitag nach Fronleichnam.
  • 1856: Einführung des Herz Jesu-Festes für die gesamte Kirche durch Papst Pius IX.
  • 1889: Erhebung zu einem Fest erster Klasse.
  • 1899: Veröffentlichung der Enzyklika "Annum sacrum" von Papst Leo XIII., in der es heißt: "Daher ordnen wir an, dass am 9., 10. und 11. des kommenden Juni in der Hauptkirche einer jeden Stadt und jeder Gemeinde öffentliche Andachten festgesetzt und abgehalten werden sollen, und dass an jedem dieser Tage zu den andern Gebeten die Litanei vom göttlichen Herzen verrichtet werde, welche Wir mit der obrigkeitlichen Genehmigung versehen haben; am letzten Tage aber soll das Weihegebet, welches Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, zugleich mit diesem Sendschreiben zuschicken, gebetet werden."
  • 1900: Weihe der Menschheit an das heiligste Herz Jesu.

Das durchbohrte Herz mahnt zur Gottes- und Nächstenliebe

Im durchbohrten Herzen Jesu sind Liebe und Hingabe Jesu zu Gott, seinem Vater, verwirklicht. In seinem Tod am Kreuz zeigt sich diese Liebe am deutlichsten: Sein durchstoßenes Herz verweist auf sein Todesleiden - er ist gescheitert. Doch gerade im Kreuz offenbart sich die Liebe zwischen Vater und Sohn. Das Herz Jesu ist ein Symbol des Gehorsams und der unbedingten Gottesliebe. Jesus hat den Menschen ein Beispiel gegeben, sich durch ihr Leben und Wirken in diese Gottesliebe einzufügen.

Aus einem flammenden Herzen erhebt sich das Kreuz
Nach der Vision der heiligen Margareta-Maria Alacoque ist das heiligste Herz Jesu als ein flammendes Herz dargestellt, aus dem ein Kreuz emporwächst. Eine Dornenkrone umgibt beide vor dem Hintergrund der geöffneten Seite. Diese Passionsmystik ist ein wesentlicher Bestandteil der Herz Jesu-Frömmigkeit. Im sogenannten "Herrgottswinkel" fand sich neben einem Kruzifix meist eine Darstellung des Heiligsten Herzens Jesu.

Das Herz Jesu-Fest heute

Über die Liebe Gottes nachdenken

In der heutigen Zeit scheint das Hochfest an Bedeutung verloren zu haben. Es gilt deshalb, neue Zugänge zu eröffnen: Immer neu ist es wichtig, das Leben Jesu zu betrachten und neu über die konkrete Liebe nachzudenken. Jesus hat uns Kunde von Gott und seiner Liebe gebracht. Er ist den Menschen liebevoll begegnet und hat sich ihrer angenommen. Die Gläubigen sollten sich also fragen: Ist unser Leben von Liebe durchdrungen? Können wir dem Anderen liebevoll begegnen oder verhindern Vorurteile und Ressentiments ein solches Verhalten?

Der Herz Jesu-Freitag lädt ein, über Gottes Liebe nachzudenken
Jeden Monat lädt der Herz Jesu-Freitag dazu ein, über die Liebe Gottes zu uns Menschen nachzudenken. Liebe ist nichts abstraktes, sondern zeigt sich konkret im Umgang der Menschen miteinander. Auch der Mangel an Liebe wird im täglichen Umgang sichtbar. Auch diesen können wir dem Herzen Jesu anvertrauen. In Jesus zeigt uns Gott: Wir Menschen sind ihm nicht fremd, wir sind ihm wichtig, wir liegen Gott am Herzen!

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