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Warum gibt es den Advent?

Ursprung, Bedeutung und Brauchtum der vorweihnachtlichen Zeit

Für viele Menschen ist der Advent eine Zeit der Besinnung, der Freude und der Liebe. Geprägt von verschiedenen Brauchtümern ist die Adventszeit für viele eine wichtige Zeit im Jahr. Wir schauen in diesem Beitrag darauf, wie sich der Advent entwickelt hat und mit welchen Bräuchen diese Zeit des Wartens verbunden ist.
Aufgrund der Corona-Pandemie finden die traditionellen Weihnachtsmärkte nicht oder nur eingeschränkt statt. Weihnachten, worauf wir uns im Advent vorbereiten, fällt allerdings nicht aus: Jesus wird trotz Corona geboren.

Advent heißt "Ankunft"

Christen bereiten sich auf die Geburt Jesu vor

Das Wort "Advent" ist lateinisch und bedeutet "Ankunft". Der Advent verweist also auf die Ankuft Jesu Christi, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt gleichzeit auch das neue Kirchenjahr in der katholischen und evangelischen Kirche. In diesem Jahr fällt er auf den 29. November. Bereits seit dem Ende des 4. Jahrhunderts ist in Spanien und Gallien eine dreiwöchige Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest nachgewiesen. Fasten und der tägliche Gottesdienstbesuch haben diese Zeit ausgezeichnet. Bischof Perpetuus von Tours (461-491) hat um 480 für das gallische Gebiet den Beginn der Adventszeit auf den Martinstag, den 11. November, festgelegt. Sein Nachfolger, Gregor von Tours (538-594) hat die Adventszeit auf vier Wochen nach dem Vorbild der österlichen Fastenzeit begrenzt - ebenfalls nur für Gallien.
Seit 550 waren Advent, Fasten, Umkehr und Buße in der Liturgie untrennbar miteinander verbunden.

Seit dem 6. Jahrhundert ist auch in Rom der Advent nachweisbar
In Rom wurde der Advent ab dem 6. Jahrhundert gefeiert - allerdings mit sechs Adventssonntagen. Erst Papst Gregor der Große (590-604) setzte vier Sonntage im Advent als verbindlich fest. Für die gesamte Kirche verbindliche wurde diese Regel nach dem Konzil von Trient (1545-1563). Die Mailänder allerdings halten bis heute am sechswöchigen Advent fest.

Jeder Adventssonntag hat seinen eigenen Namen
Jeder der vier Adventssonntage hat einen eigenen Namen. Traditionell hatten sie diese früher von den Anfangsworten des Introitus, des Eingangsgesangs der Heiligen Messe. Davon ist heute noch der Titel "Gaudete" des dritten Adventssonntags gebräuchlich. Die Sonntage heißen wie folgt:

  • Der 1. Adventssonntag steht im Zeichen der Wiederkunft Jesu. Im Gottesdienst hören wir von der Apokalypse und dem Jüngsten Gericht.
  • Am 2. Adventssonntag nehmen die Gläubigen Johannes den Täufer als Propheten in den Blick.
  • Der 3. Adventssonntag trägt den Namen "Gaudete"-Sonntag. "Gaudete" heißt übersetzt "Freut euch". An diesen Sonntag ist Johannes der Täufer wieder sehr wichtig.
  • Der 4. Adventssonntag ist der Gottesmutter Maria gewidmet. Das Hochfest "Mariä Empfängnis" feiern Christen am 8. Dezember.

Der Priester trägt im Advent Violett. Außer am "Gaudete"-Sonntag: Rosa ist an diesem Sonntag die liturgische Farbe. Die Freude auf die Geburt Jesu wird mit dieser Farbe auch nach außen hin deutlich.

Kranz, Kalender und Co.

Diese Bräuche prägen die Adventszeit

Mit unterschiedlichen Bräuchen und Ritualen gestalten die Menschen seit Jahrhunderten die Adventszeit. Sie wollen damit die Wartezeit - vor allem für die Kinder - verkürzen und ihrer Vorfreude Raum geben. Ob Adventskranz, Adventskalender oder das Schmücken des Christbaums: All diese Bräuche haben eine interessante Geschichte und Bedeutung. Einige dieser Bräuche stellen wir Ihnen nachfolgend vor.

Der Adventskranz wird seit dem 19. Jahrhundert aufgestellt
Die Erfolgsgeschichte des Adventskranzes beginnt mit dem Pfarrer Johann Hinrich Wichern (1808-1881) in Hamburg. Er hat den ersten Adventskranz 1883 in der von ihm gegründeten Anstalt für die Betreuung gefährdeter Jugendlicher eingeführt. Ab dem 1. Dezember haben die Jugendlichen jeden Tag eine Kerze auf einem Tannenkranz angezündet, der dementsprechend groß war. Am Heiligen Abend leuchteten 24 Kerzen auf dem Kranz. Diese Lichtsymbolik hat einen biblischen Ursprung, der im Johannes-Evangelium zu finden ist: "Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. (Joh 1,5). Die vielen Kerzen erhellen die dunklen Tage des Advents und verweisen auf Jesus Christus, der das wahre Licht ist, der die Dunkelheiten unseres Lebens erleuchtet.

Die Form des Adventskranzes deutet einerseits auf die Sonne hin, die bis Weihnachten an Stärke gewinnt und ein Sinnbild für Christus selbst ist. Der Kreis konnte auch auf den Kreislauf der Zeit hindeuten. Da allerdings Adventskränze nach dem Vorbild Johann Hinrich Wicherns nicht leicht her- und aufzustellen waren, reduzierte man im Laufe der Zeit die Anzahl der Kerzen auf vier. An jedem Adventssonntag wird eine weitere entzündet. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges setzte sich diese Form des Adventskranzes in der evangelischen und katholischen Kirche durch. 1925 hing der Adventskranz das erste Mal in einer Kölner Kirche.

Grüne Tannenzweige und rote Kerzen
Selbst der Schmuck des Adventskranzes, Tannenzweige und Kerzen, sind Symbole. Die Tanne grünt auch im Winter und steht damit für das Leben. Die Tannenzweige verweisen auf die Hoffnung, dass die Natur im Frühling wieder zu neuem Leben erwachen wird. Die roten Kerzen auf dem Adventskranz stehen für das Blut Jesu, das er am Kreuz für uns vergießen wird.

Seit 1850 werden am Adventskalender die Tage gezählt
Anders als der Adventkranz, an dem wir vier Kerzen brennen, zählt man seit ungefähr 1850 die Tage vom 1. bis 24. Dezember auf einem Adventskalender ab. Der Kalendermonat dient hier zur Berechnung. Die Art, die Tage des Advents so zählen, scheint jedoch älter zu sein: Auf einem Bild des Malers Petrus Christus aus dem 15. Jahrhunderts ist die Darstellung eines Kalenders zu sehen, der 24 Tage aufweist.
Die Adventskalender, die wir heute kennen, sind durchaus unterschiedlich: Hinter den Türchen verstecken sich Süßigkeiten oder kleinere Geschenke. In sogenannten "Abreiß"-Adventskalendern, streicht oder reißt man die Tage bis zum Heiligen Abend einfach ab.

Gerhard Lang gilt als Erfinder der gedruckten Adventskalender
Um 1908 kam der Münchner Verleger Gerhard Lang auf die Idee, den Adventskalender zu drucken. Er konnte damit noch einfach vervielfältigt werden und jedes Kind hatte - im Gegensatz um Adventskranz, der für alle da war - seinen eigenen Adventskalender.

Rorate-Messen bringen Licht ins Dunkel des Advent
"Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant justum": Davon haben die Rorate-Messen im Advent ihren Namen. Übersetzt heißt der Satz: "Tauet, Himmel, von oben! Regnet den Gerechten!" (Jesaja 45,8). Rorate-Messen sind sogenannte Votivmessen zu Ehren der Gottesmutter Maria. In den Alpenregionen sind diese Messen auch besser bekannt als "Engelamt", weil im Evangelium die Botschaft des Engels Gabriel an Maria im Zentrum steht.
Bis zur Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden die Rorate-Messen täglich vom 17. bis 24. Dezember gefeiert. In den Messbüchern von 1969 hat jeder Tag im Advent seinen eigenen Text, wodurch die Rorate-Messen nur noch an den Werktagen bis einschließlich 16. Dezember gestattet sind - die Bedeutung ging seitdem mehr und mehr zurück.

Der genaue Ursprung der Rorate-Messen ist unbekannt
Seit wann es die Rorate-Messen gibt, ist unbekannt. In Bayern werden sie seit dem 15. Jahrhundert nachweislich gefeiert. Sie dürften aber älter sein und sich mit dem Advent gemeinsam entwickelt haben. Diese Eucharistiefeiern waren bei den Gläubigen immer äußerst beliebt: Sie wurden im Schein der Kerzen am frühen Morgen vor dem ausgesetzten Allerheiligsten in der Monstranz gehalten. Heute werden die Rorate-Messen noch immer gefeiert und dienen der Vorbereitung auf Weihnachten. Auch hier steht das Licht im Mittelpunkt: Das Licht der Kerzen steht für Christus als das ewige Licht, das an Weihnachtne auf die Erde kommt.
Im Volksglauben haben diese Messen eine besondere Wirksamkeit für

  • die Familien,
  • die Lebenden und Toten,
  • das Vieh, den Hof und das Haus.


Im Mittelalter und Barock wurden in den Rorate-Messen Szenen aus der Bibel nachgespielt. Ob das Gleichnis der zehn Jungfrauen, die Herbergssuche oder Passagen aus der Kindheit Jesu.

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