Jetzt: The Interludes: I Am The God That Healeth Thee
The Interludes: I Am The God That Healeth Thee

Berichte aus der Ukraine

Pater Aleksey Samsonov ist Programmdirektor von Radio Maria Ukraine und ist immer noch in Kiew, um den Sendebetrieb aufrecht zu erhalten. Wir kennen ihn persönlich von den Treffen der Radio Maria Weltfamilie. Seine Berichte sind niederschmetternd. Wir versprachen ihm und seinen Landsleuten unser Gebet und Opfer: die mächtigste Waffe gegen den Krieg! Hier können Sie seine Berichte verfolgen sowie andere Berichte aus unseren Nachrichtenformaten.

"Wir sind hier sehr nah an der Front –zwanzig Kilometer, um genau zu sein. Es gibt Angriffe am Vormittag, am Nachmittag und in der Nacht." Das teilte der römisch-katholische Bischof Pawlo Honcaruk aus Charkiw im Osten der Ukraine dem weltweiten katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" in einem Gespräch mit. Vor wenigen Tagen seien keinen Kilometer von seinem Aufenthaltsort entfernt Bomben eingeschlagen. Er sei wie viele Einwohner darauf gefasst, dass jeder Tag sein letzter sein könne: "Ich weiß, dass ich das Geschoss nicht hören werde, das mich trifft. Wenn ich also eine Explosion höre, heißt das, dass ich noch lebe. Wir sind auf einen plötzlichen Tod vorbereitet."

 

Über die Hälfte der Einwohner sind aus Charkiw geflohen

In der zweitgrößten Stadt der Ukraine lebten vor Beginn des russischen Angriffskrieges etwa 1,7 Millionen Menschen, heute seien es noch 700.000, teilte der Bischof Kirche in Not mit. Andere Städte wie Slowjansk oder Kramatorsk, die mitten im Kriegsgebiet liegen, seien nahezu menschenleer. Frauen und Kinder suchten Zuflucht bei Verwandten auf dem Land oder zögen weiter ins Landesinnere. In Charkiw seien schätzungsweise 15 Prozent der Wohngebäude und der Infrastruktur zerstört, sagte Bischof Honcharuk: "Manchmal haben die Menschen nur noch das, was sie am Leib tragen, weil alles verbrannt ist. Sie brauchen Kleidung, Schuhe und Medikamente. Es liegen so viele Aufgaben vor uns." Es herrsche einerseits ein Gefühl der Hilflosigkeit, andererseits versuchten die Einwohner die Normalität so lange wie möglich aufrecht zu erhalten: "Die Unternehmen, die in der Lage dazu sind, führen ihren Betrieb fort. Auch Krankenhäuser und die städtischen Versorgungsunternehmen arbeiten immer noch." 

Auch Schulen und Universitäten arbeiteten weiter; man könne an einigen Automaten noch Geld abheben. Polizei und Feuerwehr seien "vollständig funktionstüchtig": Häufig seien 24 Stunden nach einem Angriff auf ein Haus oder eine Straße bereits alle Trümmerteile beseitigt.

"Zeichen der Nähe Gottes" in einer hoffnungslosen Situation

Diese aufopferungsvolle Arbeit und den Zusammenhalt der Bevölkerung sieht der Bischof als "Zeichen der Nähe Gottes". Auch Priester, Ordensleute und ehrenamtliche Helfer seien unermüdlich tätig: "Unsere Kirche lebt und ist aktiv. Sie steht den Menschen zur Seite, den Alten und den Kindern, genauso wie sie den Soldaten hilft, die unser Heimatland verteidigen." In Charkiw nähmen sich Mitarbeiter der Diözese und Ordensleute der Menschen an, die aus den zerstörten Dörfern nach wie vor nach Charkiw kommen, "obwohl die Stadt jeden Tag unter Beschuss steht".

Angesichts der seit über fünf Monaten andauernden Kämpfe seien viele Menschen abgestumpft gegenüber den ständigen Gefahren, stellt Honcharuk fest: "Bei Beginn des Krieges haben die Menschen bei Luftangriffen die Schutzräume nicht verlassen. Viele blieben sogar dauerhaft dort. Ich bemerke, dass viele Menschen mutiger geworden sind. Die müde Psyche beginnt, das Gefühl der Gefahr zu unterdrücken."

Das täglich erfahrene Leid drohe auch ihn bisweilen zu überwältigen, sagte Bischof Honcharuk im Gespräch mit Kirche in Not: "Das Böse ist so groß und zynisch. Kriege lassen sich sehr leicht auslösen, aber wie kann man sie wieder beenden?"

Pater Aleksey Samsonov berichtet aus Kiew

24. Februar 2023:
"Wir haben eine Übertragung von unserem Nationalheiligtum, wo alle Bischöfe zum Gebet um den Frieden versammelt sind. Ich sehe, dass sehr viele Menschen uns zuhören und gemeinsam mit uns beten!" (...) Ich möchtet alle Zuhörer von Radio Maria bitten, weiterhin darum zu beten, dass der Krieg aufhört."

20. Januar 2023 - "Am letzten Samstag zerstörte eine russische Rakete ein großes Gebäude, das etwa 10-11 Stockwerke hoch war. So viele Menschen starben, und auch bei Radio Maria riefen viele Menschen an, und wir beteten mit ihnen, für diese Menschen, für diese Menschen, die getötet wurden, für die Kinder, die starben."

14. Dezember 2022 - "Das ist ein Bild aus der Zeit des Krieges: Eine Frau, die sich in der Metro versteckt hat in Kiew. (...) Ein Maler hat eine Ikone daraus gemacht, eine Madonna, die sich versteckt."

7. Dezember 2022 - "Für mich ist dieses Studio in Ternopil und die Arbeit hier ein Zeichen dafür, dass Radio Maria trotz des Krieges funktioniert. (...) Die Muttergottes möchte, dass die frohe Botschaft hier in der Ukraine verbreitet wird."

Sie können etwas gegen den Krieg tun:

Interview des Tages - Zum Thema

Rund ein halbes Jahr führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Anfang der Woche konnte nach dem Istanbuler Getreideabkommen das erste Schiff mit Getreide den Hafen von Odessa verlassen. Bischof Stanislav Shyrokoradiuk ist römisch-katholischer Bischof der ukrainischen Küstenstadt. Er berichtet über die Lage und wie die Kirche den Menschen im Land hilft. Seit Kriegsbeginn betet radio horeb täglich in vielen Gebetssendungen für den Frieden in der Ukraine und auf der ganzen Welt. Bischof Stanislaw ist dankbar für alle Gebete.

Stephan Baier von der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" war in der Ukraine zu Besuch, um von dort zu berichten. Baier ist Redakteur bei der Tagespost und Korrespondent der Zeitung für Österreich, Südosteuropa und Europapolitik. Im Interview des Tages sprechen wir mit ihm über seine Reise in das Kriegsland.

Blockierte Häfen, fehlender Dünger, steigende Preise: Russlands Krieg in der Ukraine sorgt für eine weltweite Kettenreaktion. Experten warnen vor dramatischen Folgen und einer gewaltigen Hungersnot. Im Interview des Tages sprechen wir heute mit Anne-Catrin Hummel von der Welthungerhilfe über die Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Hummel ist Referentin der Abteilung Politik- und Außenbeziehungen.

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland, politisch und konfessionell unabhängig. Gegründet wurde die Welthungerhilfe vor 60 Jahren.

Mehr als drei Monate dauert der Krieg Russlands gegen die Ukraine nun schon. Zuletzt hat sich die ukrainisch-orthodoxe Kirche vom Moskauer Patriarchat losgesagt. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat auf diese Entscheidung mit Verständnis und Ablehnung zugleich reagiert. Er ist dagegen, dass sich der ukrainische Zweig seiner Kirche abspaltet. Selbst innerkirchlich sind die Bemühungen um Frieden scheinbar gescheitert. Wir sprechen über die aktuelle Situation.

Unser Referent Pfarrer Prof. Dr. Thomas Schwartz ist Hauptgeschäftsführer Osteuropahilfswerk Renovabis.

Kurzversion (14:30 min):

Ganzes Interview (01:33 h):

"Es gibt heute einen echten Schulterschluss der Kirchen in der Ukraine gegen den Krieg", meint Stephan Baier.

Das religiöse Leben in der Ukraine ist vielfältig. Neben rund 16 % Katholiken gehört eine Mehrheit der Bevölkerung einer der Orthodoxen Kirchen an, nämlich über 75 %. Was bedeutet die russische Invasion in der Ukraine für die Kirchen dort? Nach einer Antwort auf diese Frage suchen wir heute im Interview des Tages mit Stephan Baier, Redakteur der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost". 

Fast vier Millionen Menschen haben die Ukraine schon verlassen. Über 2 Millionen davon halten sich in Polen auf. Deutschland zählt nach Angaben des Innenministeriums bis jetzt rund 300.000 Geflüchtete. Diese Menschen müssen irgendwo unterkommen. Teils helfen die Städte aus, bauen Turnhallen und Hotels in Notaufnahmen um. Aber auch Privatpersonen engagieren sich in der Flüchtlingsarbeit und bieten den Menschen ein vorübergehendes Heim, so wie radio horeb-Mitarbeiterin Gabriele Lemmen-Feldges: Unsere ehrenamtliche Sendebegleiterin in München hat eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine aufgenommen. Mit ihr sprechen wir über ihr Engagement und die Herausforderungen des Alltags.

In diesem Interview des Tages blicken wir einmal näher auf die Hintergründe zum Ukraine-Krieg. Welche Rolle spielt die NATO als Verteidigungsbündnis in dem Konflikt? Warum scheitern Versuche, die Beziehungen zwischen Westen und Osten zu stabilisieren? Wie ließe sich ein dauerhafter Friede überhaupt herstellen? Darüber sprechen wir mit dem ehemaligen Generalstabsoffizier der Bundeswehr Oberst a. D. Wolfgang Richter, Experte für Sicherheitspolitik.